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Die Angst vor künstlicher Intelligenz: Berechtigt oder nicht?

26. September 2017 Nima Amiri

Bob: “I can can I I everything else.”

Alice: “Balls have zero to me to me to me to me to me to me to me to me to.”

Diese Konversation ereignete sich zwischen zwei AI-Bots, die bei Facebook für ein internes Experiment entwickelt wurden. Anfangs schien es so, als ob die Bots in verständlichem Englisch miteinander kommunizierten. Doch nach einer gewissen Zeit realisierten die Entwickler, dass sie in der Programmierung der AI einen Fehler begangen hatten. Die Sprache wurde kryptischer und nahm Formen wie im obigen Ausschnitt an.

Der Fehler lag darin, dass die Entwickler vergessen hatten, eine Incentivierung für das Beibehalten der englischen Sprache innerhalb der Konversation zu implementieren. So sahen die AI-Bots keinen Grund, sich an die Regeln der englischen Sprache zu halten. Stattdessen abstrahierten und arrangierten sie Wörter nach Belieben neu, so dass die Konversation für Menschen nicht mehr verständlich war. Entgegen sensationsfreudigen Medienberichten wurde das Experiment nicht abgebrochen. Es handelte sich um ein internes Experiment und hatte zum Ziel hatte, eine effektive Kommunikationsmethode von den AI-Bots entwickeln zu lassen. Dies ist ihnen auch gelungen, nur verstehen konnte man die Konversationen nicht mehr.

Facebook AI Konversation

AI-Bots kommunizieren untereinander (Quelle: Facebook)

Auch wenn dieses Experiment nur innerhalb von Facebook Artificial Intelligence Research (FAIR) und in einem kontrollierten Umfeld stattfand, verdeutlicht es trotzdem die Fortschritte, die künstliche Intelligenz fast wöchentlich macht. Fast jede Branche denkt darüber nach, Roboter einzusetzen, oder forscht nach anderen Einsatzmöglichkeiten. So will die Pharmaindustrie mit Hilfe moderner Supercomputer und Machine-Learning-Systemen vorhersagen, wie sich Moleküle verhalten. Banken haben bereits intelligente Algorithmen, die automatisch Anlageentscheidungen treffen. Und wer möchte, kann sich von einem Tesla chauffieren lassen, ohne ein Lenkrad zu berühren.

Fortschritt oder Jobverlust?

Durch die zunehmende Verbreitung von Robotern und lernenden System können immer effizientere Arbeitsabläufe entwickelt werden. Eine Studie von Accenture sagt voraus, dass mithilfe von AI das Wirtschaftswachstum von Industrieländern bis 2035 um 100% gesteigert werden könnte. Als Kehrseite dieser Entwicklung wird AI von manchen als der Jobkiller des 21 Jahrhunderts gesehen. Je mehr Roboter zum Einsatz kommen, desto weniger menschliche Arbeitskräfte würden benötigt werden. Somit ist Jobverlust eine der meist genannten Gefahren, wenn es um das Thema künstliche Intelligenz geht. In einer Studie der Universität Oxford ist die Rede davon, dass in den nächsten 25 Jahren 47% der Jobs in den USA auf dem Spiel stehen.

Andere Szenarien sehen etwa Lastwagenfahrer und Telefonisten besonders in Gefahr, rechnen aber mit neuen Jobs, die heute noch niemand auf dem Radar hat. Doch selbst der Technologie-Pionier und Tesla-Gründer Elon Musk attestiert „Artificial Intelligence“ das Potenzial, die Menschen zu dominieren. Er fordert daher eine proaktive Regulierung.

Die Angst vor AI

Nachdem Open AI, eine non-profit Organisation gegründet von Peter Thiel, Sam Altman und Elon Musk, ein künstliches System geschaffen hatte, welches einige der weltbesten Computerspieler in Dota 2 schlagen konnte, zeigte sich Elon Musik sehr besorgt. Denn das Spiel ist ein komplexes Militärstrategiespiel und erwartet vom Spieler Antizipation und taktisches Vorgehen. Künstliche Intelligenz, so die Befürchtung, könnte sich bei Nichtregulierung zu einem unkontrollierbaren System entwickeln und sich als eine noch größere Gefahr als Nordkorea herausstellen.

OpenAI Dota 2

AI schlägt Dota-Spieler (Quelle: Engadget)

Open AI hat es sich zur Aufgabe gemacht, künstliche Intelligenz zu analysieren und sicherzustellen, dass sie für gutwillige Aufgaben eingesetzt wird. Musk geht mit seiner Annahme soweit, dass er behauptet, AI sei die größte existenzielle Bedrohung für die Menschheit. Dies brachte ihm Unverständnis von Mark Zuckerberg entgegen, der Musks apokalyptisches Szenario als “unverantwortlich” bezeichnete. Musk ließ dies nicht auf sich sitzen und erwiderte auf Twitter, dass Zuckerbergs Kenntnisstand zu diesem Thema eher “limitiert” sei.

Doch woher kommt diese Auffassung von Musk? Seine Firma Tesla und fast das gesamte Silicon Valley experimentieren oder setzen AI in ihren Produkten ein und sehen darin eine grandiose Zukunft. Gerade als Gründer von Tesla, SpaceX und Neurolink hat Musk täglich mit künstlicher Intelligenz zu tun und sieht ihre großen Entwicklungsschritte. Gerade deshalb sieht er die Menschen bzw. Regierungen in der Pflicht, AI zu regulieren – und zwar bevor es wirklich nötig wird, denn sonst sei es zu spät.

Zeit der Killerroboter?

Ob nun die Zeit der AI gekommen ist und die Menschheit dem Untergang geweiht ist, vermag man nicht auf die Schnelle zu sagen, doch es regt sich ein immer größerer Widerstand unter den Konzernen und Unternehmern, die auf die Gefahr von lernenden Robotern und AI aufmerksam machen.

So hat eine Gruppe Unternehmer einen im Internet veröffentlichten Brief  an die Vereinigten Nationen gesendet, in dem sie die Weltgemeinschaft vor der Entwicklung von „tödlichen autonomen Waffen“ warnt. Diese könnten ihrer Meinung nach die „dritte Revolution der Kriegsführung“ herbeiführen. Zu den Unterzeichnern gehören Mustafa Suleyman, Mitgründer von Deepmind und Teil des Google Mutterkonzerns Alphabet, Elon Musk, AI-Forscher Yoshua Bengio, der an der Universität Montreal lehrt und Pionier für Deep Learning ist, Stuart Russel und der deutsche AI-Experte Jürgen Schmidhuber.

James Camerons Terminator

Killer-Roboter aus James Camerons Endzeitfilm „Terminator“ (Quelle: Wikipedia)

Doch es gibt auch Gegenargumente, die eine zu strenge Regulierung als hinderlich und als Bremse für den digitalen Fortschritt ansehen. Reza Zadeh, Gründer des KI-Unternehmens Matroid und Professor in Stanford, entgegnete Musk daraufhin über den Kurznachrichtendienst Twitter, dass eine gewisse Furcht vor AI vernünftig ist, man jedoch Gefahr laufe, die Potenziale der AI-Entwicklung durch zu starke Regulierung zu dämpfen. Zadeh führt weiter aus, dass es sinnvoller wäre, Waffen zu regulieren, anstatt AI, denn es seien Waffen, die die Menschen töten würden und nicht die AI.

Vorbereiten auf die Zukunft

Doch wie können wir uns auf eine Zukunft mit einer allgegenwärtigen künstlichen Intelligenz vorbereiten? Es sollte Aufgabe der Weltgemeinschaft sein, politische Entscheidungsträger und Unternehmen dazu aufzufordern, das Bildungssystem erheblich zu überarbeiten, um Technologielücken zu schließen.

Es könnten staatliche und bundesweite Universitäts-Hubs und MOOCs (freie Online-Kurse) gegründet und aufgesetzt werden. Curricula sollten sich auf die Entwicklung von Grundkenntnissen in den Bereichen STEM (Wissenschaft, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik) konzentrieren, gepaart mit einem neuen Schwerpunkt auf Kreativität, kritischem und strategischem Denken. Adaptive und individualisierte Lernsysteme müssen eingerichtet werden, um Studenten auf verschiedenen Ebenen zu helfen, gemeinsam untereinander sowie mit AI im Klassenzimmer zu arbeiten.

Im Moment müssen Unternehmen wie Apple, Google, Facebook etc. APIs entwickeln, an die andere Unternehmen andocken müssen, um ihre Produkte miteinander kommunizieren zu lassen. Allerdings können API-Entwicklungen Jahre dauern und ihre Standards werden in der Industrie in den letzten Jahrzehnten immer mehr diskutiert. Aber Software, der es erlaubt ist, die Kommunikation mit anderer Software selbstständig zu erlernen, könnte einen Quantensprung darstellen. Denn so könnten intelligente Geräte ganz autonom miteinander kommunizieren und das Internet of Things als ein neues Ökosystem etablieren.

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