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Social-Media-Monitoring-Tools im Vergleich

Social-Media-Monitoring-Tools versprechen Ordnung ins Informationschaos der sozialen Netzwerke zu bringen: sie sollen helfen, relevante Daten zu sammeln, zu visualisieren und mittels geographischer und demographischer Filter einen Überblick über die über viele Plattformen verteilten Meinungen, Newsartikel und Posts zu schaffen. Social Media Monitoring soll es PR-Agenturen und Marketingabteilungen ermöglichen, Struktur in die Fülle von Äußerungen und Meinungen im Social-Media-Dickicht zu bringen und ein Stimmungsbild über ihre Interessenbereiche zu gewinnen. Sie sollen gebündelt Rückschlüsse darüber ermöglichen, wie ein Produkt oder eine Marke wahrgenommen wird und wer die Meinungsführer zu bestimmten Themen sind.

Funktionsweise von Social-Media-Monitoring-Tools

Die Funktionsweise der unterschiedlichen Tools ähnelt sich dabei stark. In Dashboards, Tracks und Hubs werden die keyword-relevanten Tweets, Posts, Blogbeiträge chronologisch gesammelt und können mit Tags, Sentiments, und Kommentaren versehen werden. Hat man sich ein Bild von der Stimmungslage gemacht, können die Tools im nächsten Schritt als Social-Media-Hub genutzt werden. Eigene Aktivitäten in allen Social-Media-Kanälen können zentral über eine Plattform organisiert werden, um sich aktiv an den Konversationen zu beteiligen und das CRM auf Twitter, Facebook, Google Plus und Blogs zu koordinieren. Unter diesen Vorzeichen ist es nicht frei von Ironie, dass die unüberschaubare Vielfalt an Social-Media-Monitoring-Tools selbst schon zu einem dichten Angebotsdschungel geworden ist.

Ansprechende Tutorial-Animationen, klar verständliche USPs und überzeugende Kuchencharts sollen dem Kunden die Entscheidung einfach machen – doch der Teufel steckt im Detail. Glücklicherweise stellen die meisten Anbieter Trial-Versionen zur Verfügung, die auch ausgiebig getestet werden sollten. Denn obwohl die USPs der Tools sehr ähnlich klingen, variiert die Qualität der Suchergebnisse deutlich. Kann das Tool beispielsweise nicht ähnliche und gleiche Beiträge aus unterschiedlichen Quellen gruppieren, wird das Monitoring mühselig, wenn ein Meme in die Suche rutscht und tausende Treffer in den Suchergebnissen einzeln gelistet werden.

Vorsicht bei Sentimentanalyse

Bieten die Tools eine automatische Sentimentanalyse an, ist auch diese mit Vorsicht zu genießen. Sentimentanalysen sollen automatisch die Konnotation der Beiträge erkennen und in positiv, negativ und neutral einordnen. Die Algorithmen sind allerdings nicht ausgereift und es gelingt größtenteils nicht, die komplexe Semantik der Sprache zu entschlüsseln. Eine Aussage automatisiert als positiv oder negativ zu klassifizieren wird erst recht schwierig, wenn sie in 160 Zeichen, Abkürzungen, Metaphern, Doppeldeutigkeiten und Ironie verpackt ist. Sentimentanalysen sollten daher in jedem Fall manuell überprüft werden. Einige Anbieter setzten bereits auf „Human-verified data“ und bereiten die Suchtreffer für die Kunden vorab auf.

Auswahlkriterien für Vergleich

Es empfiehlt sich außerdem darauf zu achten, welche Daten das Tool exportieren kann. Oftmals werden krude Excel-Charts exportiert, wodurch sich die Erstellung eines brauchbaren Diagramms sehr arbeitsaufwändig gestaltet. Auch die häufig prohibitive Preisgestaltung der Tools kommt als Ausschlusskriterium hinzu. Während die meisten Anbieter die Preise zwischen US $400-700 / Monat angesetzt haben (für eine Handvoll an Suchbegriffen, mehrere Nutzeraccounts und E-Mail-Support), kann für größere Unternehmungen der Preis leicht in den hohen vierstelligen Bereich rutschen – Setup-Gebühren nicht mit eingerechnet. Doch selbst Anbieter von diesen kostenintensiven Lösungen bieten vorab meist keine Testmöglichkeiten und versuchen Interessierte vielmehr durch Webinars und lange Kundengespräche für ihr Produkt zu begeistern. Uns interessierten jedoch, wie weit kann man mit preiswerteren Tools kommen kann und ob die beträchtlichen Preisunterschiede im Social-Media-Monitoring-Bereich tatsächlich gerechtfertigt sind.

Drei low-cost Social-Media-Monitoring-Tools im Vergleich

Auf der Suche nach einem kostengünstigen (bis € 200 / Monat), aber ausgereiften Monitoring Tool waren für uns vor allem folgende Punkte wichtig:

  • Gute Abdeckung und Trefferquote
  • Differenzierter Suchalgorithmus
  • Möglichkeit, mehrere Suchanfragen zu vergleichen
  • Datenexport und Reporterstellung
  • Mehrere User Accounts für Teamarbeit
  • Abdeckung von Newsseiten, Blogs, Facebook, Twitter, YouTube
  • Usability
  • Stabilität

Anspruchsvolle Tools, die gute Ergebnisse liefern, stabil laufen und erschwinglich sind, gibt es nicht viele. Dass es weitere Lösungen wie Actionly und Viralheat nicht in den Test schafften, liegt am fehlenden deutschen Sprach-Support, der für eine Analyse im deutschsprachigen Raum unerlässlich ist. Auf Basis dieser Anforderungen kamen für uns drei Monitoring-Tools in Frage: Beevolve, Opinion Tracker und Talkwalker. Für diese drei Tools wurden uns vollfunktionsfähige Testversionen freigeschaltet, die wir ausgiebig unter die Lupe nehmen konnten. Bevor man sich für ein Tool entscheidet, sollte man sich im Klaren über die Zielsetzung sein, denn interessant werden die Daten erst, wenn sie kontextualisiert werden und in neue Zusammenhänge gebracht werden. Bei der Analyse der Daten ist zu berücksichtigen, welche Daten auftauchen, wie sie in die Sozialen Netzwerke gelangt sind, und mit welcher Intention. Die Monitoring-Tools können auf Facebook und Twitter beispielsweise nur öffentliche Beiträge scannen. Die Daten sind also selbst bei einer hervorragenden Quellenlage lediglich eine Annährung und als solche sollten sie auch behandelt werden.

1 . Beevolve

Beevolve ist ein professionelles Social-Media-Monitoring-Tool, das alle gängigen Social-Media-Plattformen wie Twitter, Facebook, Blogs und Newssuche mit Hilfe von Keywords durchsucht. Die Aktivität der eingegebenen Suchanfrage in den Social-Media-Kanälen wird in einer Timeline dargestellt.

Timeline des Social-Media-Monitoring-Tools Beevolve

Die Ergebnisse können sortiert, markiert und bewertet werden.

Beevolve listet die Ergebnisse der Social-Media-Analyse übersichtlich auf

Beevolve steht derzeit kurz vor einem neuen Release und ließ uns vorab die Betaversion testen.  Diese lief leider noch sehr krude ab: zum einen dauerte es bis zu einer Stunde bis die ersten Ergebnisse vorlagen. Die Qualität der Treffer hat uns leider nicht überzeugt, genauso wie die unbrauchbare Sentiment-Analyse. Hoffentlich wird dies im Laufe der Beta-Phase noch verbessert, denn das Interface ist übersichtlich und die geographische und soziographische Analyse überzeugten in unserem Test.

Mit einem Preis von US $149 monatlich liegt Beevolve im günstigen Preissegment, und kann einen guten Überblick über ein Thema liefern. Für detailliertere Recherchen und Analysen sollte allerdings an der Trefferqualität gearbeitet werden.

2. Opinion Tracker

Opinion Tracker der Wiener „Datenwerk Innovationsagentur“ aggregiert täglich etwa drei Millionen Artikel aus mehr als 50.000 Web-News-Quellen und aus über 800.000 Social-Media-Quellen wie Blogs und Foren, Twitter und Facebook. Mit Hilfe von Tracks, die sich individuell erstellen und anpassen lassen, werden Suchanfragen angelegt und verwaltet. Opinon Tracker liefert zunächst eine Übersicht über die Quellen und Sucheinstellungen:

Trackübersicht bei Opinon Tracker

Stärken von Opinion Tracker sind Usability und Übersichtlichkeit. In der Track-Detailansicht stellt eine interaktive Zeitleiste eine Zusammenfassung eines ausgewählten Zeitraumes dar und liefert Informationen über die Mentions und die Quellen. Verwandte Themen und assoziierte Personen sowie Organisationen werden von Opinion Tracker automatisch erkannt. Die einzelnen Beiträge können bewertet, gespeichert und Benutzern zugeordnet werden. Die Entwickler halten automatische Sentiment-Analyse für unausgereift und haben aus diesem Grund nur manuelle Sentiment-Zuordnungen implementiert.

 

Opinion Tracker zeigt eine Übersicht des Monitoring-Tracks

Besonders gut gefallen haben uns das ausgearbeitete Interface und die interaktive Zeitleiste von Opinion Tracker. Das zu untersuchende Zeitfenster kann über Slider eingegrenzt werden. Per Mouse-Over kann die Verteilung der Beiträge eines Tages über unterschiedliche Social-Media-Kanäle eingesehen werden. Eine großartige Lösung, denn so ist die Übersichtlichkeit steht gewährt.

Leider werden keine YouTube-Videos getrackt und die Daten können lediglich als Excel-Sheet exportiert werden. Erscheint ein Artikel auf unterschiedlichen Plattformen, werden die Ergebnisse nicht gruppiert. Opinoion Tracker bietet drei gestaffelte Pakete an. Das Single-Paket für 119 €/Monat ermöglicht einem Nutzer 5 Suchtracks zu organisieren, das Team-Paket für 250 €/Monat lässt 5 Nutzer insgesamt 15 Suchanfrage-Tracks schalten. Die Enterprise-Lösung fiel mit 489 €/Monat aus unserem low-budget Rahmen. Ein Tipp: Sollten die Pakete nicht den Rahmen des Projektes passen, ist ein Gespräch mit dem freundlichen Kundenservice ratsam.

3. Talkwalker

Talkwalker ist ein umfangreiches Social-Media-Tracking-Tool, welches unter anderem Kampagnentracking, Risk Management, Medienmonitoring, Reputationsanalyse und Mitbewerbervergleich in Blogs, Foren, auf Facebook, Twitter und YouTube anbietet.

Projekte lassen sich innerhalb weniger Minuten inkl. direkter Previews der Suchanfragen (innerhalb von 1-2 Sekunden) erstellen. Durch das intuitive Interface mit übersichtlicher Benutzerführung ist keine Schulung nötig, im Preis ist zudem ein kostenloser Telefonsupport enthalten.

 

Talkwalker bietet umfassende Suchfunktionen und Filter

Die Daten der letzten 30 Tage stehen binnen weniger Minuten zur Verfügung. Jede Quelle wird mit einem eigenen Crawler analysiert, eine Zwischenschaltung von Google findet damit nicht statt. Zudem verfügt das web-basierte Tool über eine ausreichend gute Sentimentsanalyse mit Spezialisierung auf deutschsprachige Daten.

Alle Monitoring Daten lassen sich einfach als PPT/DOC/PDF/CSV oder XLS exportieren und automatisch um ein Corporate Design ergänzen.

Die Tonalität der Ergebnisse wird via Sentimentsanalyse erfasst, ist jedoch (wie bei allen anderen Tools) nicht sonderlich genau. Tonalität und Quellenbewertung lassen sich manuell editieren, um eine schnelle Suche zu ermöglichen. Sehr gut hat uns gefallen, dass zu jedem Treffer die Shares, Tweets, Retweets, Likes und Pageviews angezeigt werden, um die Relevanz eines Treffers besser und schneller einschätzen zu können.

Suchergebnisse werden in Talkwalker in Charts und Diagrammen zusammengefasst. Alle individuell angepassten Charts können komfortabel als Word-Dokument, Powerpoint-Präsentation oder Excel-Sheet exportiert werden.

Talkwalker ist preislich in drei Kategorien gestaffelt, die Pakete können allerdings an individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Dies ist essentiell, denn würden wir uns strikt an die  offiziellen Preise halten, wäre Talkwalker nicht in unserem low-budget Test enthalten. Das kleinste Paket “Sprint” fängt bei 480 €/Monat an und bietet jeweils 6 überwachte Pages (Facebook/Twitter/YouTube) und Topics an, “Run” für 900 €/Monat erhöht die Anzahl auf jeweils 12 und die umfassenste Lösung “Marathon” für 2.000 € monatlich offeriert ganze 30 Suchtopics und 30 überwachte Pages. Die freundliche Sales-Abteilung ist jedoch flexibel: in unserem Test ließen sich signifikante Rabatte aushandeln.

Fazit

Talkwalker lieferte in unserem Test nicht nur die beste Quellenabdeckung (als eines der wenigen Tools auch YouTube-Videos) und die besten Ergebnisse, sondern bereitete sie auch in ansehnlichen Diagrammen und Statistiken auf. Die benutzerfreundliche Oberfläche und zusätzlichen Funktionen wie automatische generierte PowerPoint Reports und Tagging-Funktionen sind Features, mit denen sich das Programm nicht hinter wesentlich teureren Lösungen verstecken muss. Ein hervorragender Kundenservice und individuelle Angebote machen das Tool zu einem klaren Testsieger für kostengünstiges, aber dennoch detailliertes und umfangreiches Social Media Monitoring.

Weitere Informationen:

Social Influence Monitoring On a Shoestring [Scribd]

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