Trends 2017: Frictionless Travel

Die Reisebranche war eine der ersten Branchen, die durch die Digitalisierung grundlegend verändert wurde. Am meisten waren hiervon zunächst die Reisebüros betroffen. Während noch zur Jahrtausendwende die Urlaubsplanung fast zwangsläufig mit dem Besuch eines Reisebüros verbunden war, kann heutzutage jeder selbst seine Reise einigermaßen bequem im Internet planen und zusammenstellen. Auf Basis aktueller technologischer Entwicklungen im Umfeld von Mobile, Internet of Things, Big Data, Künstlicher Intelligenz, Augmented und Virtual Reality und weiteren mehr, wird sich dieser Wandel erneut beschleunigen und kein Stein auf dem anderen bleiben.

Einführung

Der tiefgreifende Wandel der Tourismusbranche spiegelt sich auch in den Zahlen wider: In den Vereinigten Staaten gibt es aktuell etwa 13.000 stationäre Reisebüros; noch Mitte der 1990er Jahre waren es 34.000. In Deutschland ist die Zahl seit 2002 von 14.000 auf heute knapp 10.000 gesunken.

Heute können Reisende ihre Flüge online vergleichen und buchen. Statt im Hotel können sie in einer privaten Unterkunft via Airbnb übernachten, und statt die Restaurantauswahl dem Zufall zu überlassen, können sie bequem vom Hotelzimmer aus die am besten bewerteten Lokale über Foursquare oder TripAdvisor aussuchen. Low-Cost-Carrier und Online-Reisebüros waren die klaren Gewinner der digitalen Reise-Revolution in den letzten 15 Jahren und haben dazu beigetragen, dass sich die Art und Weise der Reiseplanung und -buchung nachhaltig geändert haben.

Das ist aber erst der Anfang der Disruption in der Tourismusbranche; die Technologie wird in der nahen Zukunft das Reisen noch grundlegender verändern. Reisen wird zunehmend personalisiert, die angebotenen Produkte werden sich mehr und mehr nach den bekannten Präferenzen und dem vergangenen Verhalten der Kunden richten. Zudem ist zu erwarten, dass das Reisen immer reibungsloser gelingen wird – langes Warten auf das Mietauto oder auf den Check-in im Hotel werden bald Vergangenheit sein.

Spontanes “on demand” Reisen

Dass mehr und mehr Kunden ihre Reiseplanung auf mobilen Devices durchführen, dürfte kaum noch jemanden überraschen. Im ersten Quartal 2016 war ein mobiles Gerät bereits in mehr als der Hälfte aller Reisebuchungen involviert. Von diesen Buchungen wiederum wurden 37% komplett mobil durchgeführt, in 63% der Fälle wechselten die Nutzer während des Buchungsprozesses zwischen unterschiedlichen Geräten hin und her.

Der Anteil mobiler Buchungen fällt umso größer aus, je kurzfristiger die Reise erfolgt. Bei spontanen Buchungen innerhalb von 24 Stunden vor der Reise, liegt der Anteil rein mobiler Transaktionen mittlerweile bei fast 70%.

Umgekehrt erlaubt auch die Existenz mobiler Angebote immer mehr Spontanität bei der Buchung. Bei Booking.com wurden bereits 2015 die Hälfte der Hotelreservierungen für eine Dauer von ein bis zwei Nächten höchstens 48 Stunden vorher und auf einem mobilen Gerät durchgeführt. Somit wundert es nicht, dass Applikationen wie HotelTonight entstanden sind, die sich explizit an Spontanreisende richten. Auch Anbieter wie Kayak wollen diesen Kundenbedürfnissen entgegenkommen – zum Beispiel mit besonderen Konditionen, die an den Echtzeit-Standort des Nutzers geknüpft sind, sowie mit der Anbindung von on-demand-Diensten wie Uber.

Für wohlhabende Spontanreisende gehen die on-demand-Angebote noch etwas weiter: Wer spontan fliegen möchte, kann das dank Plattformen wie Victor oder JetSmarter auch mit einem Privatjet tun, ohne selbst im Besitz eines solchen Jets sein zu müssen.

Personalisierte Reiseerfahrung

Nicht nur das Bedürfnis nach spontanem Reisen, sondern auch nach mehr Personalisierung der Reiseangebote nimmt stetig zu. Die Reiseindustrie identifiziert zwar schon seit Jahren treue Kunden und belohnt sie mit Rabatten und Angeboten. Traditionelle Treueprogramme reichen jedoch nicht mehr aus.

Heutige Reisende erwarten einzigartige Erlebnisse, die auf ihre Präferenzen zugeschnitten sind, ihnen aber auch weiterhin Flexibilität und Kontrolle über den Verlauf der Reise zugestehen. Zwar wird wohl jeder Hotelier behaupten, die Bedürfnisse seiner Kunden zu kennen; erst seit kurzem bieten jedoch die technologischen Entwicklungen die Möglichkeit, den spezifischen Erwartungen jedes einzelnen Gastes entgegenzukommen.

Personalisierte Hotelerfahrung

„Wenn wir über Innovationen im Hotelbereich nachdenken, glauben wir nicht, dass die nächste Generation von Innovationen ein ‚Ding’ sein wird – ein neues Bett oder eine neue Dusche zum Beispiel. Vielmehr glauben wir, dass die Innovation eine Personalisierung der Gästeerfahrung bedeuten wird“, sagt Mark Vondrasek von Starwood Hotels & Resorts.

Grundlage für diese Innovation ist die Verfügbarkeit der Kundendaten:

  • zum einen Daten aus eigenen Systemen des Anbieters: Buchungsfrequenz, bekannte Präferenzen wie z.B. Allergikerbettwäsche, Late Check-out, bestellte Speisen und Getränke etc.;
  • aber auch eine riesige Menge an Daten aus externen Quellen wie den sozialen Medien oder Bewertungsplattformen wie Foursquare und TripAdvisor.

73% der Konsumenten zwischen 18 und 59 sind bereit, ihre persönlichen Informationen zu teilen, um Rabatte oder einen verbesserten Service zu erhalten. Und da 70% der Verbraucher personalisierte Angebote erwarten, sind Unternehmen der Reisebranche gut beraten, diesem Trend zu folgen.

Dabei muss allerdings beachtet werden, dass die Verbraucher immer versierter geworden sind. Sie wissen, dass ihre Daten wertvoll sind, und sie erwarten, dass sie für ihren eigenen Nutzen, nicht nur für den Vorteil des Anbieters, genutzt werden. So wie im folgenden Beispiel könnte sich in der nahen Zukunft eine personalisierte Hotelerfahrung anfühlen:

Das Beispiel ist zwar noch keine Realität in den Hotels, aber der Trend ist klar erkennbar. So sieht es aktuell bei den bereits erwähnten Starwood Hotels aus:

Personalisierung ist eine klare Priorität auch bei Hyatt: „Hyatts Ziel ist, eine personalisierte Erfahrung für jeden Gast anzubieten“, sagt Cliff Tamplin, Vice President, Operations & Infrastructure, Hyatt Hotels Corporation.

Personalisierte Flugerfahrung

Natürlich lässt sich Personalisierung nicht auf die hotelbezogenen Aspekte der Reise beschränken. Auch Airlines experimentieren mit Personalisierung. KLM z.B. hat schon vor einigen Jahren die Aktion “KLM Surprise” gestartet. KLM hat  Social-Media-Profile und Tweets der Reisenden analysiert und sie mit personalisierten Geschenken, etwa mit Gutscheinen für ihre Lieblingsshops, erfreut.

In einer anderen Kampagne wurden Passagiere am Bord mit Kopfstützen überrascht, die mit Botschaften ihrer Liebsten geschmückt waren.

Bei diesen Beispielen handelt es sich allerdings lediglich um eine Marketing-Kampagne. Eine echte Personalisierung ist im Moment kaum wahrnehmbar. Da aber auf die Fluggesellschaften genauso wie auf die Hotels zutrifft, dass sie mit signifikanten Zusatzeinnahmen, sinkenden Servicekosten und mit der nachhaltigen Loyalität ihrer Kunden rechnen können, sobald sie ihre Daten nutzen, um Kundenerfahrungen zu personalisieren, ist dort in naher Zukunft mit einer grundlegenden Veränderung zu rechnen.

JetBlue Executive Vice President und Chief Information Officer Eash Sundaram dazu: “Wir schauen uns die Möglichkeiten an, die Stimmungen der Passagiere real-time via Social Media zu erheben. Zum Beispiel könnten wir identifizieren, dass sie gerade glücklich sind, zu einer Hochzeit oder einer Graduierung fahren. [..] Wir können für sie relevante Inhalte direkt an ihre Sitzplätze liefern. […] Bei der Personalisierung geht es auch darum, die spezifischen Bedürfnisse der Kunden zu adressieren: haben sie zum Beispiel Anschlussflüge oder hatten sie schon mal ein Problem mit unserer Airline.“ (http://www.sita.aero/resources/type/surveys-reports/the-future-is-personal)

Personalisierte End-to-End-Reiseerfahrung

Einzelne Hotelketten und Fluggesellschaften unternehmen bereits erste Versuche, die Reiseerfahrungen ihrer Gäste und Kunden zu personalisieren, doch die Personalisierung bezieht sich meist lediglich auf die Leistung des jeweiligen Anbieters. Die Kunden erwarten jedoch eine personalisierte, anbieterübergreifende End-to-End-Erfahrung, die mehrere Aspekte der Reise abdeckt.

Airbnb hat reagiert und erweitert sukzessive das eigene Angebot, um diesem Bedürfnis entgegenzukommen. Durch die im November angekündigte Integration des Restaurantbuchungssystems von Resy sollen Airbnb-Nutzer künftig die besten lokalen Restaurants direkt über Airbnb finden und buchen können. Ebenfalls im November wurde eine andere Neuigkeit vorgestellt: Die Nutzer können sich nun via Airbnb Tipps für Urlaubserlebnisse holen und diese anschließend auch gleich buchen. In der Zukunft sollen neben Ausflügen zudem auch Flüge integriert werden, sodass das gesamte Reiseerlebnis via Airbnb geplant werden kann.

Mit der 2016 gelaunchten App Google Trips unterstützt auch Google die Reisenden mit einem maßgeschneiderten Reiseplanungs- und Verwaltungstool. Die einzelnen Reisen werden in der App automatisch angelegt – abgeleitet von Buchungsbestätigungen aus dem E-Mail-Postfach. Basierend auf den Buchungen werden dem Nutzer Sehenswürdigkeiten und Restaurants empfohlen, die sich in der Nähe seiner Unterkunft befinden, und mögliche Tagestouren vorgeschlagen. Eine manuelle Dateneingabe ist überflüssig geworden.

Reibungslos Reisen dank Internet of Things

Das Internet der Dinge (IoT) ist wie gemacht für die Reisebranche. Daher verwundert es nicht, dass sie bereits im Jahr 2015 die Branche mit den größten Investitionen im Bereich IoT war – mit $128 Mio pro Unternehmen.

Während künftig fast alle Arten von Reiseunternehmen vom IoT profitieren dürften, sind es im Moment vor allem die großen Hotelketten und Airlines, die dafür den Weg ebnen. Viele der Unternehmen nutzen IoT bereits jetzt primär, um die eigene Effizienz zu steigern und die Prozesse zu optimieren. Hotels verwenden Sensoren, um die Nutzung und Wartung ihrer Heizungen, Lüftungen, Aufzüge und Sicherheitssysteme zu analysieren und zu steuern. Fluggesellschaften wie z.B. Air Asia in Partnerschaft mit GE sammeln auf diese Weise Flugdaten, die der Optimierung des Kraftstoffverbrauchs dienen sollen. Andere, wie Virgin Atlantic, nutzen sie um mögliche Probleme in ihren Maschinen zu identifizieren noch bevor sie auftreten.

Während diese Art von IoT-Nutzung bereits klare Vorteile für die Anbieter mit sich bringt, ist der Mehrwert für die Kunden noch nicht klar erkennbar. Dies wird sich in der nahen Zukunft ändern. IoT wird den Trend zur Personalisierung vervollständigen und eine reibungslose Reiseerfahrung ermöglichen.

IoT Anwendungen bei den Airlines – intelligente Reisepillen?

British Airways beispielsweise verfügt über ein Patent mit dem Titel „Travel Environment Control„. Der Grundgedanke dahinter: Sensortechnologie nutzen, um ein System zu schaffen, „das eine verbesserte Steuerung und Personalisierung der Umgebung des Passagiers ermöglicht, insbesondere um das Wohlbefinden der Passagiere während des Fluges zu erhöhen“. Die Daten würden über eine Reihe von Sensoren gesammelt und dafür verwendet, einen detaillierten Flugerfahrungsplan für jeden Passagier zu erstellen. Flugzeugkabinen wären mit Sensoren ausgestattet, nicht nur um Informationen über die Umgebungsbedingungen zu sammeln, sondern auch um automatisierte Aktionen wie die Anpassung der Sitzposition oder der Lichtintensität vorzunehmen. Allerdings sollen sich die Sensoren, so das Patent, nicht nur in den Flugzeugen, sondern auch in den Fluggästen befinden. Eine mit Sensoren ausgestattete Pille (mehr zur Funktionsweise solcher Pillen ist in unserem Trend: Humanizing Healthcare through Technology zu finden) könnte in Echtzeit Informationen über das Wohlbefinden der Reisenden wie z.B. Körpertemperatur, Puls oder Magensäure übermitteln. Basierend auf diesen Informationen könnten die Flugbegleiter Wasser und eine Decke bringen, wenn der Passagier dehydriert bzw. wenn seine Körpertemperatur zu niedrig ist, und die Mahlzeiten abhängig von der Schlafphase des Passagiers servieren.

Es ist natürlich denkbar, dass nicht jeder Fluggast bereit sein wird, am Anfang eines Fluges eine solche Pille zu schlucken, um all die notwendigen Daten zur Verfügung zu stellen. Aber auch ohne diese Informationen können die IoT-Anwendungen zu einer reibungslosen Reise beitragen.

Die im Flugzeug generierten Sensordaten können zum Beispiel mit anderen vom Reisenden benutzten Anwendungen kommunizieren: Bei einer Flugverspätung könnten so automatisch Übernachtungen reserviert, Anschlussflüge umgebucht und Kontakte benachrichtigt werden. Auch das Gepäck kann mithilfe von Sensoren verfolgt werden. Fluggesellschaften wie Delta nutzen dafür die RFID Technologie. Via Deltas mobiler Applikation können Passagiere ihr Gepäck in Echtzeit verfolgen und wissen genau, wo es sich befindet.

Reibungslose Weiterreise mit Connected Cars

Das Internet of Things könnte auch den frustrierenden Erfahrungen mit einer häufig ineffizienten Autovermietung am Flughafen ein Ende bereiten. Die Sensoren im Flugzeug und im Gepäck oder die einfache Geolokalisierung des Kunden könnten dazu genutzt werden, die Information über die Landung und den Erhalt des Gepäcks direkt an die Autovermietung weiterzugeben. Der schlüssellose Zugang zum im Voraus gemieteten Auto wäre automatisch aktiviert und die exakte Position des Wagens übermittelt. Der komplette Vorgang könnte somit automatisiert und für den Reisenden deutlich verkürzt werden. Dieses Szenario ist jetzt schon dabei, Realität zu werden, z.B. bei Avis.

Nina Bell, Managing Director for the Northern EMEA Region bei Avis sagt hierzu: „Seit Jahren hat sich die Autovermietung nicht signifikant verändert. Die meisten Kunden gehen zu einem Schalter, unterschreiben Papierkram, erhalten den Autoschlüssel und laufen zu ihrem Fahrzeug. Connected Cars haben das Potenzial, nicht nur die Autovermietungen, sondern auch die gesamte Automobilindustrie sowie Geschäftsmodelle in anderen Branchen zu verändern.“ Das Unternehmen hat in den USA eine rein Smartphone-basierte Autovermietung gestartet und testet das Konzept auch an mehreren britischen Flughäfen.

Intelligente, schlüssellose Hotelzimmer

Die Interaktion an der Rezeption war für die Hotelbetreiber immer von zentraler Bedeutung, um mit ihren Gästen in direkte Beziehung zu treten. Ein freundlicher Mitarbeiter begrüßt die Gäste, prüft ihre Reservierung, händigt ihnen die Schlüssel aus und versorgt sie mit den notwendigen Informationen.

Dieses Prozedere fängt allmählich an sich zu ändern, Hotels legen nun zunehmend Wert darauf, diesen Ablauf möglichst zu verschlanken. Und sie kommen damit den Kundenwünschen entgegen: Bereits 2014 wünschten sich 73% der Reisenden einen automatisierten Check-in ohne die Notwendigkeit, an der Rezeption zu warten. Bei einigen Hotelbetreibern wie Starwoods und Hilton ist das schon seit einer Weile Realität.

Das ist allerdings nur der erste Schritt. Der nächste wird für die Hoteliers die Optimierung der Hotelzimmererfahrung sein. Die meisten Hotelzimmer sehen noch weitgehend so aus wie vor zehn Jahren, was aber mit den Erwartungen der Gäste nicht mehr übereinstimmt. In diesem Jahr werden die Hotels ihre Angebote für moderne Reisende überarbeiten müssen. Schon in der nahen Zukunft werden die Gäste nach dem Betreten des Zimmers die Temperatur und Beleuchtung gemäß ihrer den Hotels bekannten Präferenzen vorfinden. Im Hintergrund spielt die vom Gast bevorzugte Musik und der Fernseher ist je nach Präferenzen z.B. mit seinem Netflix-Account verbunden oder zeigt das aktuelle Fußballspiel. Das Bett hat bereits das bevorzugte Massageprogramm voreingestellt.

Intelligente Matratzen und Kissen analysieren den Blutdruck, die Schlafphasen und den Stresslevel des Gastes und stellen automatisch Musik, Beleuchtung und Massageelemente im Bett so ein, dass er optimal entspannen, einschlafen oder aufwachen kann. Der Spiegel im Badezimmer hat die Funktion eines interaktiven Displays für Nachrichten und Wetter. Gäste können auch ihre Smartphones über Bluetooth mit dem Spiegel koppeln und ihre Social-Media-Feeds, E-Mails oder Whatsapp-Messages anschauen.

Auch wenn eine solche Erfahrung zunächst noch recht weit von dem entfernt ist, was der normalsterbliche Gast erleben wird, so experimentieren die innovativsten Hotelbetreiber doch heute schon intensiv mit unterschiedlichen IoT-Anwendungen:

Die Umfragen unter den Hoteliers bestätigen diesen Trend – Folgendes haben die Hoteliers in 2017 vor:

  • 14 Prozent der Hoteliers planen, in den Zimmern Tablets zu installieren oder existierende zu aktualisieren;
  • 39 Prozent planen, einen Zugang zu Hotelzimmern über eine Smartphone-Applikation zu ermöglichen;
  • 31 Prozent haben Interesse an Hotelraumautomatisierungssystemen;
  • 28 Prozent möchten Smart-TVs in Hotelzimmern aufrüsten oder installieren.

Als Tourist in der Smart City

Das exponentielle Wachstum des Internet der Dinge und die Entstehung von Open-Data-Plattformen, die von mehr und mehr Städten weltweit bereitgestellt werden, bildet die Grundlage für immersive, reisebezogene mobile Anwendungen.

Dank dieser Anwendungen erhalten die Reisenden personalisierte, immer aktuelle, unter Berücksichtigung von Wetter und Verkehr entstehende Empfehlungen für ihre Trips. So kann z.B. einem Besucher, der gerade im Park spazieren geht, ein Hinweis auf ein wahrscheinliches Gewitter zugestellt und je nach Tageszeit und bekannten Präferenzen ein passendes Restaurant oder Café oder eine geeignete Indoor-Aktivität – Museum, Ausstellung, Shopping – empfohlen werden.

Dank der durch Sensoren erfassten Informationen über die Anzahl der sich in den jeweiligen Orten befindenden Personen werden keine Empfehlungen für Orte ausgesprochen, die überfüllt sind. Die Kunden werden auch proaktiv informiert, wenn sie sich Sehenswürdigkeiten nähern, in denen aktuell lange Wartezeiten zu erwarten sind, und sie erhalten alternative Vorschläge in der Nähe. Sie können auch benachrichtigt werden, wenn die Zeit gerade günstig ist, ein bestimmtes Objekt zu besuchen.

Mehr und mehr Städte unternehmen erste Versuche in diese Richtung. In Santander z.B. helfen mehr als 18.000 Sensoren in Straßenlaternen, in Parks, in den öffentlichen Verkehrsmitteln und auf Parkplätzen den Touristen bei der Orientierung und liefern hilfreiche Informationen. Gleichzeitig erfassen sie Daten über die Bewegungsmuster der Reisenden und ihr Verhalten, um Erfahrungen zu optimieren.

In Barcelona wurde auf Basis des Internet der Dinge die Anzahl der Besucher der Sagrada Familia erhöht. Die in der Nähe des Gebäudes lokalisierten Sensoren erfassen die Besucher, identifizieren, aus welcher Richtung sie kommen und ob sie tatsächlich Tickets erwerben, um das Innere des Gebäudes zu besichtigen, oder ob sie es lediglich von draußen betrachten. Die Analyse der Besucherwege hat ermöglicht, günstige Standorte für Ticketverkaufsstellen zu ermitteln, um so den Umsatz zu erhöhen.

Immer mehr Städte kombinieren IoT und Standortdaten mit Augmented Reality, um den Besuchern zusätzliche Informationen zu präsentieren.

Augmented, Virtual und Mixed Reality

Augmented Reality war im letzten Jahr vor allem im Kontext von Pokémon Go in aller Munde. Binnen einer Woche nach dem Launch wurde Pokémon Go zu der begehrtesten App im Apple Appstore und überholte in der Nutzungsintensität sogar Facebook.

Was hat aber dieses Massenphänomen mit Reisen zu tun? Antwort: Das Spiel ist wie für Reisende gemacht – diejenigen, die an vielen unterschiedlichen Orten unterwegs sind, haben die größten Chancen, seltene Pokémons zu finden. Zudem befinden sich PokéStops und Gyms meist an interessanten und auch für Touristen relevanten Orten. Sydney Opera House, Eiffelturm, Disneyland – alles ist dabei. In einigen Städten, z.B. in Berlin, wurden im Sommer als Alternative zu klassischen Sightseeing-Touren auch Pokémon-Touren veranstaltet. Vor allem eines aber leistet Pokémon Go für die Reisebranche: Es schafft ein Bewusstsein für Augmented Reality und macht sie für ein breites Publikum greifbar.

Augmented Reality (AR) hat das große Potenzial, Reiseerfahrungen zu revolutionieren und sie nahtloser, interaktiver und einfacher zu machen. Ähnlich wie bei Pokémon Go können die Reisenden schon jetzt einige Städte mithilfe von AR erkunden. Die AR-Applikationen zeigen digitale Overlays mit interaktiven Informationen über die Kultur oder Geschichte der Orte, an denen der Tourist vorbeigeht. So auch folgende Applikation, die den geschichtlich interessierten Berlin-Besuchern die Ereignisse an der Berliner Mauer näher bringen soll:

Augmented Reality hilft auch dabei, Sprachbarrieren zu überwinden. Jetzt schon können Reisende mit Anwendungen wie Google Translate Schilder oder Menüs scannen und diese in die eigene Sprache übersetzen lassen.

Mithilfe von Virtual Reality wiederum kann man sich bereits vor Antritt einer Reise in der künftigen Reisedestination bewegen oder die Entscheidung über die Reise von diesem realitätsnahen Erlebnis abhängig machen. Zu diesem Zweck haben Unternehmen wie z.B. YouVisit oder Littlstar Bibliotheken von virtuellen HD-Reiseerlebnissen aufgebaut.

Ausgestattet lediglich mit einem Google Cardboard wird der Zuschauer auf eine virtuelle Tour von Alaska bis zu einem Karneval Kreuzfahrtschiff genommen. Obwohl es sich dabei technisch nur um 360°-Videos, nicht um eine immersive virtuelle Erfahrung handelt, in der sich der Benutzer nach Belieben bewegen können, bieten sie trotzdem eine ausgezeichnete und ziemlich günstige Möglichkeit, die Welt zu erkunden, ohne die eigenen vier Wände verlassen zu müssen.

Sie sind viel lebendiger als zweidimensionale Bilder und eignen sich daher viel besser dafür, einen umfassenden Eindruck von einem Reiseziel zu vermitteln.

Virtual Reality ermöglich aber nicht nur, eine Destination aus der Ferne zu erkunden – sie eröffnet auch ganz neue Möglichkeiten der Erkundung, die einem in der Realität nicht zugänglich sind. So kann man mit Google Earth VR das Empire State Building aus der Vogelperspektive betrachten und nach Belieben heranzoomen oder umfliegen, man kann sich in die Schluchten von Yosemite fallen lassen, Berghänge hinabgleiten und vieles weitere mehr.

Auch Hotelketten wie Marriott Hotels wollen ihren Gästen das Reisen mithilfe von Virtual Reality noch schmackhafter machen. Dort können die Kunden einen VRoom Service in Anspruch nehmen – konkret: ein Samsung-Gear-VR-Gerät, auf dem sich eine Reihe virtueller Erfahrungen aus der ganzen Welt, von Chile bis nach Japan, befinden.

Zu den early adopters gehört auch die australische Quantas Airlines, die Samsung Gear verwendet, um den Passagieren die Möglichkeit zu geben, die schönsten Destinationen Australiens zu erleben. Das VR-Gerät gibt den Reisenden zusammen mit einem Paar Kopfhörer das Gefühl, in eine eigene Welt einzutauchen, ohne irgendwelche Störungen von draußen wahrzunehmen. Im Moment stehen diese Erlebnisse zwar nur den ohnehin bequem reisenden Passagieren der First Class zur Verfügung, ein Rollout für weitere Klassen wird aber in der nahen Zukunft erwartet.

VR-Experience für Fluggäste

Quelle: CNN

Spannend wird es aber vor allem dann, wenn die Vorzüge beider Technologien – AR und VR – zu einem Erlebnis verknüpft werden. „Mixed Reality“, eine Technologie, die vor allem seit dem Launch der Microsoft HoloLenses Aufmerksamkeit erlangt hat, soll dieses ermöglichen. So könnte der Tourist, ausgestattet mit einer intelligenten Brille, eine physische Welt erkunden, die um virtuelle Elemente erweitert ist.

Ein japanisches Unternehmen nutzt diese Technologie bereits, um zerstörte Gebäude virtuell zu „rekonstruieren“.

Durch den Einsatz dieser Technologien könnte das Reisen eine zusätzliche Dimension erhalten. Nicht nur die zerstörten Gebäude könnten dank AR wieder in Erscheinung treten. Je nach Präferenzen könnte der Reisende auch entscheiden, in welcher Epoche er sich bei der Erkundung der Stadt befinden möchte. Der Rom-Besucher könnte zum Beispiel auswählen, ob er die Stadt in den Zeiten der Antike, der Renaissance oder des Faschismus erkunden möchte und wird dann die entsprechende Architektur sehen, die damaligen Geräusche hören und prägnanten Ereignisse hautnah erleben können.

AR, VR und MR – all diese Technologien sind für das Reisen wie geschaffen. Ob als Vorgeschmack auf ein Reiseziel, als Navigations- oder Übersetzungshilfe oder als ein Tool, um zerstörte Städte wieder lebendig zu machen werden diese Technologien sehr bald ein integraler Bestandteil unserer Reisen sein – real und virtuell.

Fazit

Ein nahtloses Reiseerlebnis ist seit Jahren ein Ziel, das unzählige Unternehmen zu erreichen versuchen. Dies ist nicht verwunderlich – die Kunden von heute sind so mündig, gut informiert und anspruchsvoll wie nie zuvor. Sie haben unzählige Möglichkeiten, Informationen zu Preisen und Leistung miteinander zu vergleichen und sehen den Einsatz von state-of-the-art-Technologien zunehmend als selbstverständlich an.

Diese Entwicklungen spiegeln sich auch in den wirtschaftlichen Entscheidungen der Reiseunternehmen wider – die Investitionen in neue Technologien haben im letzten Jahr Rekordhöhen erreicht. Die Investitionen in die Digitalisierung sind jedoch kein Selbstzweck, sondern ermöglichen es den Unternehmen, sich auf den Kern des Reise- und Gastgewerbes zu fokussieren – das reibungslose Reiseerlebnis.

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