Trends 2017: Insurance – On-demand transparency

Durch die Digitalisierung werden Daten zum Kern eines jeden Geschäftsmodells. Für Versicherungen ist dieser Umstand nichts Neues: Daten ermöglichen die Einschätzung von Risiken und standen daher schon immer im Zentrum ihrer Analysen. Mit der Verbreitung von Smartphones in jeder Tasche, Sensoren an jedem Handgelenk und dem Teilen von Inhalten über eine Vielzahl von Plattformen erleben wir jedoch eine Explosion des Universums verfügbarer Daten. Erhoben, gespeichert und analysiert werden diese jedoch von den Technologieunternehmen dieser Welt, die den direkten Zugang zum Kunden und seinen Daten haben. Dies erfordert ein grundlegendes Umdenken und die Neukonfiguration des Operating Models von Versicherungen, um künftig noch Bestand zu haben.

Intro

Im Oktober 2016 wurden Pläne der britischen Admiral-Versicherung bekannt, künftig soziale Signale auf Plattformen wie Facebook für das personalisierte Pricing der Verträge ihrer Autoversicherung miteinzubeziehen. Bislang war die Risikoneigung von Erstbesitzern mangels vorliegender Daten nur sehr grob einschätzbar. Um die Klassifizierung künftig differenzierter zu gestalten und guten Risiken ein günstigeres Angebot machen zu können, hatte Admiral einen Algorithmus entwickelt, mit dem über das Facebook-Verhalten Einblick in die Persönlichkeit eines potenziellen Kunden genommen werden sollte: Die häufige Verwendung von Wörtern wie „immer“ und „nie“ ebenso wie die Häufung von Ausrufezeichen signalisiert etwa die mit höherem Risiko verbundene Selbstüberschätzung, während kurze und konkrete Sätze auf eine strukturierte Persönlichkeit mit geringerem Risiko schließen lassen – mit entsprechenden Konsequenzen für eine mögliche Vergünstigung des Tarifangebots.

Noch bevor Admiral das neue Angebot jedoch tatsächlich lancieren konnte, zog Facebook den Stecker: Das Angebot widerspräche den Nutzungsbedingungen der Plattform, gemäß derer keine Facebook-Daten zur Entscheidung über die Berechtigung für bestimmte Verträge herangezogen werden dürfen.

Alles wird zu Daten und Daten werden zum Kern eines jeden Geschäftsmodells. Erhoben, gespeichert und analysiert werden diese jedoch von den Technologieunternehmen dieser Welt, die den direkten Zugang zum Kunden und seinen Daten haben.

Diese Entwicklung steht beispielhaft für die mit der Digitalisierung einhergehenden Konsequenzen: Alles wird zu Daten und Daten werden zum Kern eines jeden Geschäftsmodells. Während für Versicherer Daten von je her der Kern ihres Geschäftsmodells gewesen sind, steigert sich die Vielfalt verfügbarer Daten exponentiell. Dies resultiert in einer grundlegenden Transformation gewohnter Geschäftsmodelle und damit auch der Unternehmen über alle Branchen hinweg. In 2017 wird sich diese Entwicklung weiter beschleunigen. Versicherungsunternehmen müssen sich daher mit hoher Dringlichkeit mit folgenden Trends auseinandersetzen:

Erste Welle der Versicherungs-Transformation: Distribution und Kundenzugang

Mit der Verbreitung des Internets sah sich die Versicherungsbranche mit einer ersten Welle der Transformation konfrontiert. Diese betraf zunächst ausschließlich die Distribution und den Kundenzugang, während bestehende Wertschöpfungsketten weitgehend unverändert blieben.

Von einem traditionell über Versicherungsvertreter abgewickelten Geschäft ging der Verkauf von Versicherungen zunehmend in einen Direktvertrieb über, der entweder von den Versicherungen selbst betrieben oder über Aggregatoren-Websites abgewickelt wird. Die Konsequenzen dieser Entwicklung waren bereits tiefgreifend. Der direkte Vertrieb stellte bestehende Strukturen in Frage und erzeugte Konfliktpotenzial, machten die Versicherungsanbieter doch plötzlich ihren Vertretern Konkurrenz, von deren Kooperation sie abhängig waren.

Andererseits erzeugten Internet-Plattformen, die die Angebote aller Versicherer bündelten und Nutzern einen Preisvergleich ermöglichten, Transparenz, was den Preiswettbewerb erhöhte und Margendruck erzeugte. Die Incentivierung dieser Plattformen verstärkte diese Entwicklung: Während die Plattformen an möglichst häufigen Abschlüssen – und damit dem Wechsel des Versicherungsanbieters nach Ablauf der Mindestvertragsdauer – interessiert sind, ergibt sich für die Versicherer in diesem Zeitraum vor dem Hintergrund der ausgezahlten Provisionen noch keine Profitabilität.

Auch der Zugang zum Kunden kann echt disruptiven Charakter haben, wenn man etwas weiter denkt.

Existierende Geschäftsmodelle der Versicherer gerieten in dieser Phase durch Kanalkonflikte, Preistransparenz und Margendruck zwar bereits unter Druck, die Wertschöpfungsketten blieben jedoch weitgehend unverändert. Echte Geschäftsmodellinnovationen waren in dieser Phase die Ausnahme, wobei ein Player wie Zenefits aufzeigte, dass auch der Zugang zum Kunden echt disruptiven Charakter haben kann, wenn man etwas weiter denkt.

Beispiel: Zenefits

Auf den ersten Blick erscheint Zenefits als Anbieter von HR-Software. Diese ist im Gegensatz zu den Wettbewerbern in diesem Segment weitgehend kostenfrei. Die echte Geschäftsmodellinnovation von Zenefits liegt darin, dass sie durch den konsequenten Fokus auf die Bedürfnisse ihrer Kunden alternative Monetarisierungsmöglichkeiten identifiziert haben, die allen Wettbewerbern mit Produktfokus bislang verborgen geblieben sind: den Vertrieb von Versicherungsprodukten.

Abschluss von Versicherungen via Zenefits

Betrachtet man den Life-Cycle eines Mitarbeiters im Unternehmen wird schnell klar, dass mit Beginn der Anstellung Versicherungen abgeschlossen und Pakete mit Zusatzleistungen zugeordnet werden. Welch besseren Kundenzugang für den Vertrieb von Versicherungsprodukten könnte man also haben, als genau dann mit Angeboten von passenden Produkten vor Ort zu sein, wenn das Bedürfnis entsteht? Da neue Mitarbeiter im HR-System von Zenefits erfasst werden, ist dies exakt die Position, die Zenefits einnimmt.

Die Software kann somit gratis abgegeben werden und auf diesem Weg eine enorme Verbreitung finden, da das Geld mit Versicherungsprämien für den Abschluss von neuen Verträgen verdient wird. Dies hat Zenefits in nur zwei Jahren seit Bestehen auf eine Bewertung von USD 4,5 Milliarden katapultiert (bevor diese Bewertung im laufenden Jahr vor dem Hintergrund fragwürdiger Vertriebspraktiken 2016 halbiert wurde).

Mit Zenefits ist somit innerhalb kürzester Zeit sowohl im Versicherungsmarkt als auch dem Markt von HR-Software ein mächtiger neuer Player entstanden, der für die etablierten Anbieter aus dem Nichts kam.

Zenefits

Auswahl von Versicherungsleistungen via Zenefits

Erfolgsgeheimnis

Das Geheimnis dieses Erfolges, das etablierte Player aller Branchen dringend lernen müssen, um morgen noch Bestand zu haben, liegt in der Customer Experience:

  • konsequenter Fokus auf die Kundenbedürfnisse als Ausgangspunkt aller Überlegungen
  • Identifikation der zu lösenden Probleme über den eigenen eingeschränkten Produktfokus (Versicherung vs. HR-Software) hinaus
  • Betrachtung der vollständigen Customer-Journey, um für die Lösung der identifizierten Probleme genau zu dem Zeitpunkt eine Lösung anbieten zu können, wenn diese entstehen.

Diese Perspektive ist auch die Grundlage für die zweite Welle der Transformation, die wesentlich tiefgreifender ist und nicht nur den Zugang zum Kunden betrifft, sondern sämtliche Komponenten der Wertschöpfungskette im Versicherungsmarkt tiefgreifend umgestalten wird.

Zweite Welle der Versicherungs-Transformation: Disruption der Wertschöpfungskette

In der zweiten Welle der Disruption sehen sich Versicherer gleich mit einem ganzen Spektrum von Veränderungen konfrontiert. Diese machen eine fundamentale Neukonfiguration des gesamten Geschäftsmodells und jedes Elements der Wertschöpfungskette erforderlich, um künftig noch Bestand zu haben.

Maßgeblich getrieben ist dieser Wandel durch folgende Trends:

  • Internet of Things
  • Eindringen von Branchenfremden
  • Schadensvermeidung durch Technologie
  • Verändertes Nutzungsverhalten
  • Blockchain
  • Entstehen neuer Bedürfnisse

Internet of Things (IoT)

Relevante Daten bilden die Grundlage für jede Risikoeinschätzung und die Ausgestaltung eines passenden Angebots. Potenzielle Kunden geben viel über sich Preis, was für eine Einstufung relevant sein könnte: Angaben auf Plattformen wie Facebook ermöglichen die Ableitung von Risikoprofilen (indirekt) und die Verbreitung von Sensoren gibt Einblick in das Verhalten (direkt).

Beide Datenquellen haben sich sprunghaft entwickelt und werden ihr exponentielles Wachstum in den kommenden Jahren fortsetzen. Entscheidend in dieser Entwicklung ist der Trend des sogenannten Internets der Dinge (Internet of Things, IoT): Sensoren mit Anbindung ans Internet dringen in jeden Lebensbereich vor. Wearables wie Fitness-Tracker und Smartwatches erheben die Aktivität des Trägers, Smart-Home-Lösungen ermöglichen die Überwachung und Steuerung jeder erdenklichen Komponente im Haus, Sensoren im Auto dokumentieren das Fahrverhalten.

Über Sensordaten kann ein Smart-Home-Anbieter wie Nest die Temperatur im Haus erheben und noch vor Eintritt Gegenmaßnahmen zur Vermeidung der maßgeblichsten Schäden im Haus initiieren: Wasserschäden durch eingefrorene Leitungen. Dies gilt für mit dem Internet verbundene Rauch- und Feuermelder ebenso wie mit Bewegungsmeldern und Kamera ausgestattete Klingeln, die via Smartphone von überall beantwortet werden können und Einbrecher abschrecken sollen. Diese Entwicklungen werden das Schadensaufkommen reduzieren.

Nest Rauchmelder

Nest Rauchmelder

Gleiches gilt im Bereich der Krankenversicherungen: Durch die kontinuierliche Messung und Auswertung von Gesundheitsdaten über Wearables können Probleme erkannt werden, bevor sie sich als Krankheit manifestieren. So erhalten Kunden des US-Versicherungs-Startups Oscar – mittlerweile mit USD 2,7 Milliarden bewertet – ein Fitness-Armband, über das gesundheitsförderliches Verhalten gemessen und honoriert wird. Auch in Deutschland schaffen Versicherer Anreize zur Nutzung solcher Wearables, wobei hier aus Datenschutzgründen keine Daten an die Versicherung fließen und einzig auf den positiven Effekt einer möglichen Verhaltensänderung gesetzt wird. Ziel ist es, Krankenhausaufenthalte künftig zu reduzieren und viele Aspekte durch Telemedizin zu ersetzen.

Weitere Dimensionen mit signifikantem Potenzial durch Digitalisierung betreffen eine bessere Verknüpfung aller Stakeholder im Gesundheitssystem, was eine Verbesserung des Kundenerlebnisses ermöglicht, Effizienzsteigerungen durch Automatisierung auf Basis digitalisierter Workflows und bessere Entscheidungen auf Basis von Big Data, Analytics und Machine Learning / künstlicher Intelligenz. McKinsey geht hier allein in den USA von einem jährlichen Einsparungspotenzial von bis zu USD 25 Milliarden aus.

Im Bereich der Autoversicherungen ermöglicht die Messung des Fahrverhaltens die Ableitung eines individuellen Risikoprofils und die Ausgestaltung eines daran angepassten Vertrages. So bietet Drive Like A Girl in Großbritannien eine Autoversicherung an, die im Gegenzug zur Installation von Sensoren im Auto günstigere Tarife verspricht, wenn man damit als neuer Fahrer ohne Historie nachweisen kann, dass man wie ein Mädchen fährt – also sicherer.  Dies ist der Versuch eines Versicherers, einen direkten Zugang zum Kunden (und seinen Daten) über den ganzen Life-Cycle der Kundenbeziehung hinweg aufzubauen.

Drive like a girl

Angebot von Drive Like A Girl

Bislang beschränkte sich die Kundenbeziehung eines Versicherers grob auf zwei zentrale Ereignisse: den Abschluss des Vertrages und die Regulierung eines eingetretenen Schadens. Dies wird sich grundlegend ändern müssen, möchten die Versicherungen ihre Position in der Wertschöpfungskette bewahren und nicht nur zur Commodity-Policen-Fabrik mit hohem Kostendruck verkommen.

Eindringen Branchenfremder

Wie die eingangs erwähnte von Facebook blockierte Innovation des Angebots einer Autoversicherung durch Admiral demonstriert hat, sitzen die Player am längeren Hebel, die den Kundenzugang haben, die Nutzungsdaten sammeln und analysieren können.

Diese Gefahr ist für Versicherungen auch deshalb so groß und überraschend, da sie nicht von den klassischen Wettbewerbern ausgeht, sondern in erster Linie von Tech-Giganten und (bei Autoversicherungen) Autoherstellern, die Zugang zu den relevanten Daten haben. Mit eigenen Angeboten können diese neuen Player in den Versicherungsmarkt eindringen oder die etablierten Versicherer für den Zugang zu den Daten zahlen lassen – mit entsprechenden Konsequenzen für die Margen. In China ist so aus dem Umfeld des Online-Händlers Alibaba ein Online-Versicherer entstanden, der mit einer Bewertung von USD 8 Milliarden nach nur drei Jahren zu den wertvollsten privaten Unternehmen der Welt zählt.

Schadensvermeidung

Der disruptive Charakter der Veränderungen beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Eindringen von neuen Playern mit Zugang zum Kunden und seinen Daten: Neue Technologien wie selbstfahrende Autos oder Fahrerunterstützungssysteme werden die Anzahl an Unfällen signifikant reduzieren, die Identifikation von Schadensrisiken über Sensoren im Haus und am Menschen ermöglicht ihre Behebung, bevor ein tatsächlicher Schaden eintritt. Kurzfristig erhöht dies zwar die Profitabilität der Versicherer, führt mittelfristig jedoch über den Wettbewerb zu einer Erosion der Versicherungsprämien.

Während Versicherungen bislang private Individuen gegen Schäden abgesichert haben, geht der Wandel hin zu Produkten, die Schäden verhindern sollen, mit der Transformation des Kundenstamms der Versicherer einher: Hersteller könnten künftig für die Fälle verantwortlich gemacht werden, in denen trotzdem Unfälle und Schäden entstehen und benötigen Absicherung.

Verändertes Nutzungsverhalten

Parallel zu dem Eindringen neuer Player und der durch Technologie ermöglichten Vermeidung von Schäden, haben außerdem veränderte Gewohnheiten und Bedürfnisse einen großen Einfluss auf die Disruption des Geschäftsmodells von Versicherungen. Zusammenfassend lassen sich diese mit der Verschiebung vom Produkt zum Service charakterisieren, die die Versicherungen indirekt und direkt betrifft.

Indirekt sind sie zum Beispiel im Automobilsegment durch die Bedürfnisverschiebung vom Produkt „Eigentum Auto“ zum „Service Mobilität“ durch Car-Sharing betroffen. Diese resultiert darin, dass sich der Kundenstamm der Automobilversicherer von Privaten zunehmend Richtung Unternehmen verschiebt. Diese managen ganze Flotten von Fahrzeugen und haben, da sie an der Quelle der Daten zum Fahrverhalten ihrer Kunden sitzen, einen wesentlich besseren Einblick in das Risikoprofil eines jeden Kunden, was wiederum den Wertgehalt des Angebots der Versicherungen dramatisch reduziert.

Dieser Wandel vom Produkt zum Service spiegelt sich auch direkt in den veränderten Erwartungen der Kunden an das Angebot der Versicherer wider: Sie möchten nicht aus unterschiedlichen Versicherungsprodukten auswählen, sondern den Service der Absicherung haben, der sich an ihren tatsächlichen Bedürfnissen orientiert. Diese gehen über die reine Bezahlung des Schadens hinaus: Statt einer Hausratversicherung kann dem Kunden unterstützt durch Sensoren ein Service geboten werden, der vor dem Eintreten möglicher Schäden warnt und Gegenmaßnahmen ebenso einleitet wie die Behebung von Schäden durch ein angeschlossenes Service-Netzwerk übernimmt.

Im Segment der klassischen Krankenversicherung und Autoversicherung gilt entsprechendes: Ein umfassender Gesundheitsservice kann den Kunden mit Wearables, individualisierten Gesundheitstipps und Sportprogrammen dabei unterstützen, gesund zu bleiben; die Prämien der Kfz-Versicherung können auf das Fahrverhalten und Häufigkeit der Nutzung des Fahrzeuges zugeschnitten sein.

Mit dieser Entwicklung einher geht die Consumerization der Erwartungen an das Kundenerlebnis: Amazon und Co haben die Erwartungen der Kunden an die Einfachheit der Nutzung und die Servicequalität geprägt – von seiner Versicherung erwartet der Kunde eine vergleichbare Nutzungsfreundlichkeit. Das Zeitalter von Anträgen und Papierstapeln, die zur Bestätigung der Identität zur Post getragen werden müssen, ist vorbei, Flexibilität und Bedürfnisorientierung siegt.

Versicherungen so einfach machen, wie Tinder

Warum nicht die Reiseversicherung spontan und automatisch aktivieren, sobald sich das Handy des Kunden im Ausland befindet? Die Versicherung für die selten genutzte Kamera nur dann aktivieren, wenn sie auch tatsächlich im Einsatz ist? Entlang der Customer Journey lässt sich eine Vielzahl von Ereignissen identifizieren, in denen ein Bedürfnis nach Absicherung entsteht. Den Anbietern, die beim Entstehen des Bedürfnisses proaktiv und so niederschwellig wie möglich mit einem passenden Angebot vor Ort sind, gehört die Zukunft.

Versicherung per Swipe: Trov

Unter Ausnutzung der Potenziale des Internet of Things (IoT) lassen sich drei grundlegende Stoßrichtungen für neue, flexible und personalisierte Angebote als Antwort auf das veränderte Nutzungsverhalten identifizieren:

  • Nutzungsbasiert
    Die Konditionen des Angebots sind durch den Einbezug von Nutzungsdaten individualisiert und passen sich dynamisch an die Nutzungshäufigkeit und das Risikoverhalten an.
  • Flexibel/Pay-as-you-go
    Versicherungslösungen können flexibel aktiviert und pausiert werden, der Prozess hierfür ist so einfach wie die Benutzung von Tinder (Beispiel: Trov).
  • Event-basiert
    Das Smartphone weiß, wenn man sich im Ausland befindet, in ein Uber-Fahrzeug oder Taxi steigt, das Smart-Home weiß, wenn eine Gefahr durch Rohrbruch, Einbruch oder ähnliche Events droht, die Smartwatch erkennt kritische Gesundheitswerte. An all diese Events können Service-Modelle geknüpft sein, die automatisch aktiviert werden, für Zusatzgeschäft bei den Versicherungen sorgen und den Kunden entlasten.

Blockchain

Für die Umsetzung  von Nutzungs- und Event-basierten Angeboten bietet zudem die Blockchain große Potenziale. Sie ermöglicht eine wesentlich effizientere Schadensabwicklung, indem die Kompensation auf Basis von Smart Contracts automatisch erfolgt, sobald ein Schaden identifiziert wurde. Im Auto verbaute IoT-Sensoren können so den Schaden feststellen und sowohl die Bezahlung, aber auch die Einleitung der für die Schadensbehebung erforderlichen Schritte zur Ausführung bringen, die flexibel in den Blockchain-basierten Verträgen hinterlegbar sind. Auf dieser Basis ermöglicht die Blockchain ganz neue Geschäftsmodelle.

Neue Bedürfnisse

Durch das Vordringen von Technologie in alle Lebensbereiche und die durch sie ermöglichten neuen Geschäftsmodelle entstehen jedoch auch ganz neue Bedürfnisse der Absicherung.

Die Sharing-Economy erfordert etwa die Absicherung der eigenen Wohnung gegen Schäden, die von Airbnb-Gästen verursacht wurden. Nachdem hier öffentlichkeitswirksam ein erheblicher Schaden an der Wohnung einer Nutzerin eingetreten war, entschied sich Airbnb, eine Absicherung bis zur Höhe von USD 1 Millionen automatisch einzuschließen.

Cyber-Attacken mit dem Diebstahl von zuletzt Milliarden an Datensätzen sind zum Alltag geworden – mit schwerwiegenden finanziellen Konsequenzen für die betroffenen Unternehmen und ihre Kunden. Wie mit Internet-of-Things-Geräten orchestrierte Attacken dieses Jahr gezeigt haben, geht die Anbindung von immer mehr Geräten an das Internet auch mit erheblichen Risiken einher. Gehackt können diese nicht nur für Attacken ohne das Wissen des Besitzers genutzt werden: Sie könnten auch Auskunft darüber geben, ob der Besitzer zu Hause ist, es können Türen geöffnet, Alarmanlagen deaktiviert und es kann die Kontrolle über Autos übernommen werden. Lösegeldforderungen für übernommene Kontroll-Systeme könnten wesentlich häufiger auftreten und zu einem lukrativen Geschäftsfeld von Cyber-Kriminellen werden.

Nicht ohne Grund ist die Absicherung von Cyber-Risiken das am schnellsten wachsende Segment im Versicherungsmarkt. Mit vielen offenen Fragen: Welche Schäden sind abgedeckt? Die direkten Verluste durch den Ausfall eines Servers? Die Schäden bei den Betroffenen durch die gestohlenen Daten? Die Schädigung der Marke durch Vertrauensverlust beim Konsumenten? Wie können alle Risiken bewertet werden, um eine entsprechende Versicherung anbieten zu können? Werden Versicherungen künftig über Audits der Kundensysteme und Kundenprozesse die IT-Security vorantreiben, um Unternehmen überhaupt versicherbar zu machen?

Strategische Optionen

Um den beschriebenen Herausforderungen zu begegnen, haben Versicherungen verschiedene strategische Optionen.

  • Digital-Player werden
    Sie können die Digitalisierung ihrer gesamten Wertschöpfungskette mit Hochdruck vorantreiben, um den Austausch und die Analyse von Daten zu verbessern, Kosten durch effizientere Abläufe zu reduzieren und ein überragendes Kundenerlebnis zu bieten.
  • Partnerschaften eingehen
    Um die Schnittstelle zum Kunden nicht an Technologie-Unternehmen zu verlieren, sollten Versicherungen strategische Partnerschaften eingehen, die ihnen den Zugang zu relevanten Daten sichern und eine Differenzierung ihres Produkts orientiert an den Bedürfnissen ermöglichen. So bietet American Family etwa ein vergünstigtes Kombi-Paket in Verbindung mit dem IoT-Türklingel-Anbieter Ring an, in den die Versicherung zuvor investiert hatte. Progressive erhält über die Partnerschaft mit dem Fahrdatenauswerter Zubie Zugang zu Nutzungsdaten und kann auf dieser Basis an die Nutzungshäufigkeit und das individuelle Risiko gekoppelte Tarife anbieten. Liberty Mutual wiederum bietet vergünstigte Tarife in Verbindung mit dem Nest Rauchmelder an. State Farm incentiviert ihr Angebot in Partnerschaft mit dem IoT-Sicherheitsanbieter Canary und AXA ermöglicht die flexible Versicherung einzelner Geräte via Smartphone in Partnerschaft mit Trov.
  • Vordringen in angrenzende Services
    Über das klassische Versicherungsprodukt hinaus lassen sich jedoch entlang der Customer Journey relevante Bedürfnisse des Kunden identifizieren, die ihm im Paket einen echten Mehrwert bieten und zu einer vertieften Kundenbeziehung führen können. So definiert Allianz gemeinsam mit Panasonic ihr Service-Versprechen neu: Sie kümmert sich nicht nur um die Behebung des Schadens am Haus, sondern leitet auf Wunsch bei drohendem Einbruch, Glas- und Wasserschaden Sicherungsmaßnahmen ein, so dass sich der Kunde darum nicht mehr selber kümmern muss.

Diese strategischen Optionen sind nicht exklusiv voneinander zu sehen, sondern sollten parallele Initiativen und Suchfelder bilden. Verstärkte Engagements von Versicherern als Investoren im dynamischen Umfeld der Insurtech-Startups demonstrieren den Stellenwert, den die Veränderungen auf der strategischen Agenda einnehmen.

Fazit

Die Konsequenzen dieses Wandels sind disruptiver Natur: Nur wenn Versicherungen die aufgezeigten strategischen Optionen mit höchster Priorität vorantreiben und ihr Operating Model von Grund auf neu denken, haben sie eine Chance, nicht von der Transformation hinweggefegt zu werden wie einstmals mächtige Player in anderen Industrien vor ihnen.

Die beschriebenen Einflussfaktoren werden allein im Segment der Autoversicherungen bis 2040 zu einem Schrumpfen von bis zu 80 Prozent des derzeitigen USD 200 Milliarden Marktes führen. Wie aufgezeigt entstehen aber auch neue Märkte mit großem Potenzial. Um dieses zu heben und für sich zu sichern ist allerdings neben neuen technologischen Fähigkeiten eine ganz neue Flexibilität erforderlich, die in der Kultur des Unternehmens verankert sein muss.

Unser Digital Maturity Assessment gibt hier einen tieferen Einblick in die relevanten Dimensionen des Wandels zum digitalen Experten und den Status Quo.

Wie gut ist Ihr Unternehmen auf die Konsequenzen dieses Trends vorbereitet?

Finden Sie anhand unseres Digital Maturity Assessments heraus, wie gut Ihr Unternehmen für den digitalen Wandel gewappnet ist und welche Ansatzpunkte für die Verbesserung existieren.

Digitalen Reifegrad ermitteln

Jetzt starten!

Mehr Trends

Trends 2017: Frictionless Travel

Die Reisebranche war eine der ersten Branchen, die durch die Digitalisierung grundlegend verändert wurde. Am meisten waren hiervon zunächst die Reisebüros betroffen. Während noch zur Jahrtausendwende die Urlaubsplanung fast zwangsläufig mit dem Besuch eines Reisebüros verbunden war, kann heutzutage jeder selbst seine Reise einigermaßen bequem im Internet planen und zusammenstellen. Auf Basis aktueller technologischer Entwicklungen im Umfeld von Mobile, Internet of Things, Big Data, Künstlicher Intelligenz, Augmented und Virtual Reality und weiteren mehr, wird sich dieser Wandel erneut beschleunigen und kein Stein auf dem anderen bleiben.

Trends 2017: Logistics – the age of enlightenment

Dieser Trend erscheint im Juni 2017.

Trends 2017: Pervasive Banking

Dieser Trend erscheint im Juni 2017.

Trends 2017: Humanizing healthcare through technology

Das Jahr 2016 war von einer Reihe bahnbrechender Entwicklungen im Gesundheitsbereich gekennzeichnet. Inzwischen können Algorithmen Krebs-Therapien empfehlen, werden 3D-gedruckte Prothesen eingesetzt und finden Telechirurgie und Telemedizin immer mehr Anklang. Genomsequenzierung, Internet of Things, Konnektivität, immer günstigere Sensoren und Hardware, Machine Learning – der Einsatz von Technologie könnte, auch wenn das paradox klingen mag, zur Humanisierung des Gesundheitssystems führen.

Trends 2017: Automotive – Mobility Reinvented

Dieser Trend erscheint im Juni 2017.

Übersicht