Google I/O 2017 als Ausblick auf eine Welt umgeben von künstlicher Intelligenz, Virtual Reality und In-House GPS

7. Juni 2017 Alexander Braun (@almarrone)

Auf Googles jährlicher Entwicklerkonferenz I/O, die im heimischen Mountain View stattfand, präsentierte Google seine neuesten Technologien und Entwicklungen für die nahe Zukunft.

Wie schon bei Facebooks F8-Konferenz, stand künstliche Intelligenz und Virtual Reality im Fokus der diesjährigen Veranstaltung. Betrachtet man jedoch die Produkte, Entwicklungen und Fokussierung Googles, so wird deutlich, dass Google den Übergang vom Smartphone zur allgegenwärtigen künstliche Intelligenz vorbereitet, bei der das Smartphone nur eines von vielen möglichen Zugangsgeräten darstellt. Man bereitet sich mit dem weiterentwickelten Google Assistant auf einen Konkurrenzkampf mit Apples Siri vor. Mit neuen Funktionen für die Photo-App will Google Druck auf Facebooks Bilderplattform Instagram machen und Nutzer abwerben. Außerdem soll sich Google Home V2 mit Amazons Echo bzw. Alexa messen.

Die spannendsten Google-Ankündigungen im Überblick:

  1. Google Assistant und Google Lens

Google hat das auf AI-fokussiertes Tochterunternehmen Google.ai gegründet. Zu den Hauptaufgaben zählt das Zusammenbringen und Weiterentwickeln von separaten Ideen und Projekten, die im Laufe der Zeit bei Google angestoßen wurden und sich noch in der Entwicklung befinden. Dazu gehören medizinische Forschungssysteme und -methodiken sowie lernende Systeme wie Objekt- und Spracherkennung. Mitarbeiter innerhalb Google.ai entwickeln ebenfalls eine künstliche Intelligenz, die in Zukunft autonom weitere AI-Systeme programmieren soll.

Die neue App „Google Lens“ war eines der Keynote-Highlights. Sie setzt eine Bilderkennungs-Technologie ein, um in Echtzeit Objekte zu identifizieren, die vor die Smartphone-Kamera gehalten werden. So lässt sich beispielsweise eine Blumenart bestimmen oder durch Scan von WLAN-Informationen auf der Rückseite von Routern automatische eine Netzwerkverbindung herstellen. Eine manuelle Passworteingabe ist somit nicht mehr erforderlich. Ein weiteres Anwendungsszenario ist die Übersetzung von Speisekarten in Echtzeit oder die Anzeige von Fotos, die den Gerichten entsprechen.

  1. Google Daydream Headset

Ein weiteres Highlight war die Vorstellung des Virtual Reality Headsets namens „Google Daydream”. Das Besondere ist, dass diese Headsets Standalone-Geräte sein sollen. Mussten in der ersten Version noch Smartphones in die Brille geschoben werden, sollen in der Kooperation mit HTC und Lenovo zwei ohne weitere Peripherie-Geräte einsetzbare Headsets entwickelt werden. Eine weitere Neuerung ist das eingebaute Location-Tracking-System, welches Bewegungen im Raum ermöglicht. Damit setzt Google ein klares Ziel: Virtual Reality massentauglich zu machen, sich so ein neues Marktfeld im High-End-Bereich zu erschließen und mit Facebooks Oculus Rift zu konkurrieren.

  1. Verbesserte Foto-App

Auch Googles Foto App “Photo” steht ganz unter dem Stern der künstlichen Intelligenz. So soll die von 500 Millionen Nutzern verwendete App mittels maschinellem Lernens Inhalte und Personen erkennen können. Damit sollen Bilder automatisch sortiert und in Alben gruppiert werden.

Des Weiteren präsentierte Google eine verbesserte Gesichtserkennung, die Personen auf Bildern erkennt und automatische Sharing-Empfehlungen an diejenigen Personen ausspricht.

Ein besonderes Feature in der Photo-App ist die automatische Bereinigung des Bildes von ungewollten Objekten. Ein Anwendungsfall ist beispielsweise das automatische Herausrechnen eines Zauns:

Google I/O 2017 Photoapp

Google Photoapp (Bild: bbc)

Google I/O Photo App 2

Google Photoapp (Bild: bbc)

  1. VPS – Visual Positioning System

Vielen ist die GPS-Technologie geläufig. Braucht man jedoch genauere Informationen bzw. Wegweisungen, um beispielsweise innerhalb von Gebäuden zu navigieren, stößt man mit GPS an seine Grenzen. Hier setzt Google mit Visual Positioning System (VPS) an. Mittels Tango, einer 3D-Visualisierungstechnologie, schaut VPS in seiner Umgebung nach erkennbaren Objekten – beispielsweise Produkten, zu denen sich die Nutzer im Geschäft auf wenige Zentimeter genau navigieren lassen können.

  1. Verbesserte Google Home App

Google liegt mit Google Home noch hinter dem Rivalen Amazon mit Echo/Alexa. Der Marktstart war eher bescheiden. Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz präsentierte Google neue Features, um die Lücke zu Amazon zu schließen. Dazu gehört eine Telefonfunktion, mit der verschiedene Familienmitglieder anhand Stimmerkennung auf ihre individuellen Kontakte zugreifen und anrufen können.

Google Home 2

Google Home (Bild: CNNMoney)

Eine weitere Neuerung ist, dass Googles Home Sprachassistent Informationen nun proaktiv bereitstellen kann. So kann er vorausschauend das Verkehrsaufkommen analysieren und den Nutzer benachrichtigen, dass er sich früher auf den Weg zur Arbeit oder zum Meeting machen sollte. Ein weiteres neues Feature ist das Streamen von Informationen direkt auf das Smartphone oder den TV mittels Chromecast. Das bietet sich vor allem für Informationen an, die mittels Bildern einfacher zu kommunizieren sind.

Gleichauf mit Amazon veröffentlicht Google auch ein SDK-Software-Entwicklungskit, um Drittanbietern die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Produkte in den Google-Assistenten zu integrieren.

Die Entwicklerkonferenz unterstreicht, dass Google sich nicht nur auf neuer Hardware ausruht, sondern die Verbesserung von existierenden Geräten und Software durch neue Features und Technologien anstrebt und insgesamt mit eifriger Forschung in Virtual Reality, Augmented Reality, Machine Learning und künstlicher Intelligenz produktive und effiziente Lösungen für den Verbraucher konzipieren möchte.

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