Embedded Finance – Financial Services in jeder Branche

Von der Finanzierung über die Bezahlung bis hin zur Versicherung: Die enge Verzahnung mit der Customer Journey, um die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden exakt an dem Ort und zu dem Zeitpunkt der Entstehung zu befriedigen, ist zum Standard geworden. Zunehmend sind hier jedoch Nicht-Banken im Driver-Seat: Sie weitern damit ihre Wertschöpfungskette aus, stellen eine treffsichere Qualifizierung auf Basis ihrer Kundendaten sicher und eröffnen Banken und Versicherungen hocheffiziente Akquisitionskanäle. Wie können die Potenziale dieser Entwicklung von Banken und Versicherungen – aber gerade auch von Unternehmen außerhalb der Financial-Services-Industrie – genutzt werden und was sind die zentralen Herausforderungen?

Einführung

„The times, they are a-changin'“

Bob Dylan singt bekanntlich „The times, they are a-changing“. Dies ist wahrscheinlich ein Lied, das jeder, der im Finanzdienstleistungsbereich arbeitet, täglich singen kann. Traditionelle Banken und Versicherer werden durch eine Reihe dynamischer Entwicklungen immer wieder herausgefordert – von sich ändernden Kundenerwartungen, zunehmender Digitalisierung und technologischen Innovationen, die völlig neue Geschäftsmodelle eröffnen, zunehmender regulatorischer Komplexität, einer Vielzahl neuer Konkurrenten, die ihnen das Wasser abgraben, und neuerdings auch der COVID-Pandemie, die den Übergang zu einer neuen „digital-first“-Normalität beschleunigt hat.

All diese Veränderungen führen zu einer neuen Situation, die die Zukunft des Finanzwesens prägt – eine, in der die Grenzen zwischen Finanzdienstleistungen und anderen Branchen permanent verschwimmen. Die Verbraucher erwarten zunehmend, dass ihre Finanzbedürfnisse zu ihren Bedingungen und zum Zeitpunkt des Bedarfs erfüllt werden und dass Finanzdienstleistungen und -produkte überall und jederzeit verfügbar sind. Das bedeutet, dass sich das Finanzwesen zunehmend in eine Vielzahl anderer Branchen und Wertschöpfungsketten außerhalb der traditionellen Banken und Versicherer einbettet.

Dies ist die neue Welt von Embedded Finance, in der die Finanzdienstleistungen demokratisiert werden. Sie liegen nicht mehr in den Händen weniger, sondern in den Händen vieler.

Die Entmystifizierung von Embedded Finance

Bei Embedded Finance geht es um den Verkauf von Finanzprodukten oder -dienstleistungen in einer nicht-finanzwirtschaftlichen Kundenwertschöpfungskette. Es geht also darum, dass Nicht-Finanzunternehmen wie Einzelhändler, Automobilunternehmen, Fluggesellschaften, Produzenten, Telekommunikationsunternehmen usw. den Kunden direkt Finanzprodukte und -dienstleistungen anbieten und dabei die vollständige Kontrolle über das Kundenerlebnis behalten.

Wo man früher direkt mit seiner Bank oder Versicherung in Kontakt treten musste, um seine Finanzen zu verwalten, einen Kredit aufzunehmen, eine Zahlung zu leisten oder eine Versicherung abzuschließen, kann man dies jetzt nahtlos beim Online-Shopping, beim Besuch eines Autohändlers, beim Arztbesuch oder beim Kauf eines neuen Smartphones tun. Viele dieser Anwendungsfälle reduzieren die Notwendigkeit, direkt mit einer Bank zu interagieren – oder gar ein traditionelles Bankkonto zu haben.

Es geht also um die Abdeckung der finanziellen Bedürfnisse zu den Bedingungen des Kunden am Ort des Bedarfs und nicht als eigenständiges Produkt: Wenn ein Kunde an einer E-Commerce-Kasse steht und ihm mit einem Klick eine zinslose Finanzierung des Kaufs angeboten wird, führt dies viel eher zu einer Sales Conversion als wenn der Kunde aufgefordert wird, den Prozess zu verlassen und eine Finanzierung bei seiner Bank zu beantragen. Dies ist eine klassische Win-win-win-Situation durch Embedded Finance: Die Kunden erleben eine User-Journey ohne Unterbrechung, die Händler steigern ihre Abschlussraten und die in diesen Prozess eingebetteten Finanzdienstleister erhalten Neugeschäft zu wesentlich günstigeren Kundenakquisitionskosten, da sie direkten Zugang zur etablierten Kundenbasis der Händler erhalten.

Embedded Finance ist allgegenwärtig und wirkt sich auf alle drei Bestandteile von Finanzdienstleistungen aus:

  • Ortsunabhängige Übertragung/Speicherung von Werten – Zahlungen/Banking (z.B. kartenlose Zahlungen – Uber, WeChat)
  • Zeitunabhängige Übertragung/Speicherung von Werten – Finanzierungen/Investitionen (z.B. Buy Now, Pay Later Optionen (BNPL) – Amazon, Klarna, Afterpay)
  • Werthaltigkeit von Komplexitätsreduktion – Versicherung (z. B. Embedded Insurance – Tesla)

Eine Reihe von verwandten Konzepten behandeln im Grunde genommen dieselbe Thematik, aber aus einer anderen Perspektive, zum Beispiel:

  • Embedded Banking, Embedded Insurance, Embedded Payments (aka)
  • Banking-as-a-Service (eine der wichtigsten Antwortmöglichkeiten für etablierte Banken – mehr Details unten).
  • Open Banking (Startpunkt der Entwicklung)
  • Open Finance (die nächste Evolution)
  • Fintech/Insurtechs (die erste Welle von Anbietern)
  • Digitale Ökosysteme (der Tummelplatz)

Embedded Finance ist nicht unbedingt neu. Einzelhändler bieten schon seit Jahrzehnten ihre eigenen geschlossenen Kreditkarten an und selbst der klassische Geschäftskredit sah dem heutigen Embedded Finance sehr ähnlich.

Das ist es, was alle neuen Fintechs und Wettbewerber im Finanzbereich seit Jahren ausnutzen, indem sie die zunehmende Macht technologischer Innovationen wie Künstliche Intelligenz (KI), maschinelles Lernen (ML), IoT, Biometrie usw. nutzen, um die finanziellen Bedürfnisse der Kunden auf effektivere Weise zu lösen.

Die Ablösung der alten Garde

Banken und Versicherungen erleben seit einigen Jahren einen Rückgang der Profitabilität was darauf zurückzuführen ist, dass sie mit einer Reihe von parallel stattfindenden Herausforderungen konfrontiert sind:

  • Veraltete Tech-Stacks, die sich nur schwer an die Digitalisierung anpassen lassen
  • Zunehmende Regulierung und verlorenes Kundenvertrauen seit der Kreditkrise im Jahr 2008
  • Die Nettozinsmargen, eine wichtige Einnahmequelle, werden durch verstärkten Wettbewerb und niedrige Zinssätze unter Druck gesetzt
  • Erhöhte internetgetriebene Transparenz reduziert die Margen für Commodity-Produkte
  • Neue Wettbewerber konzentrieren sich auf profitable Teile der Wertschöpfungskette, die den Banken ihren Anteil wegnehmen
  • Die Umstellung des Vertriebs auf „digital-first“ hat umfangreiche zusätzliche Investitionen notwendig gemacht, während der Umsatz über die kostspielige und veraltete Infrastruktur wie z. B. Filialen, rückläufig ist
  • Regulierungs-, Compliance- und IT-Wartungskosten sind weiterhin erheblich

Die Entwicklungen hin zu einer neuen digitalen Normalität haben sich im Zuge von Corona weiter beschleunigt und machen diese neue Realität über Nacht unentbehrlich. Die Banken stehen auch vor anderen wirtschaftlichen Herausforderungen, da die Risikovorsorge im Kreditgeschäft in die Höhe schießt, während die Einlagen stark ansteigen und die Banken in vielen Fällen Schwierigkeiten haben, Kredite zu vergeben.

Im Gegensatz dazu erleben Fintechs einen Höhenflug in Bezug auf ihre Marktkapitalisierung und üppigen Finanzierungsrunden, die ihnen viel Raum für Investitionen und ihre zunächst nicht an Profitabilität orientierte Expansion schaffen.

Warum sind Consumer Fintechs erfolgreich? Sie beginnen mit dem Kundenproblem, nicht mit dem Produkt, was zu völlig neuen Geschäftsmodellen und Zusammensetzungen von Wertschöpfungsketten führt. Im Gegensatz dazu beginnen Banken historisch gesehen mit bestehenden Geschäftsmodellen und Produkten, die sie durch Tech-Transformationen zu digitalisieren versuchen, mit dem Ergebnis, dass Kundenprobleme gelöst werden können – oder auch nicht.

Die bestehenden Geschäfts- und Betriebsmodelle vieler Banken sind daher noch nicht auf eine Zukunft ausgerichtet, in der Kunden Finanzdienstleistungen nach ihren Vorstellungen erhalten. Viele etablierte Banken versuchen seit Jahren, diese Schieflage durch eine Vielzahl digitaler Transformationsbemühungen zu beheben, aber die Frage bleibt: Wie effektiv waren diese und was wäre, wenn es einen besseren Weg gäbe, das bestehende Modell zu reparieren?

Die Zeit ist gekommen

Ein kurzer Blick auf die Schlagzeilen zeigt, dass der Embedded-Finance-Zug mit Volldampf fährt: Etablierte Anbieter und eine Vielzahl neuer Herausforderer (sowohl innerhalb der FS- als auch der Nicht-FS-Wertschöpfungskette) treiben die Entwicklung kontinuierlich voran. Viele von ihnen bieten bereits überzeugende neue Embedded-Finance-Angebote und -Erfahrungen für Kunden an und der Markt entwickelt sich praktisch jeden Tag weiter. Die Zeit zum Handeln ist jetzt (oder bereits gestern).

Einige Branchen sind besonders gut positioniert, um ihr bestehendes Ökosystem durch die Einbettung von Finanzen in ihre Wertschöpfungsketten zu erweitern. Hier sind nur einige Beispiele:

Das Geschäftsmodell

Embedded Finance bietet eine der aufregendsten neuen digitalen Wachstumschancen für etablierte Finanzinstitute: Ein adressierbarer Markt mit einem potenziellen Wert von über 7 Billionen US-Dollar in 2030 (Bain Capital Ventures Einschätzung des US-Markt extrapoliert auf eine global adressierbare Marktgröße), was in etwa dem doppelten Marktwert der dreißig größten Banken der Welt entspricht.

Angetrieben von diesem dynamischen Wachstum investieren VCs, Big Tech und Fintech-Unternehmer große Summen in diesen Markt– Die Marktbewertungen sprechen eine klare Sprache: Nach der von den Wettbewerbsbehörden untersagten Akquisition von Plaid durch Visa, ist die Bewertung des Startups binnen Jahresfrist von gut 5 Milliarden US-Dollar auf über 15 Milliarden US-Dollar gesprungen. Die enormen Bewertungen der Upstarts in den Private Markets (Stripe: 70-100 Milliarden US-Dollar; Klarna: 11 Milliarden US-Dollar 31 Milliarden US-Dollar; Checkout.com: 15 Milliarden US-Dollar) und an der Börse (PayPal: 280 Milliarden US-Dollar; Square: 100 Milliarden US-Dollar; Adyen: 65 Milliarden US-Dollar) sprechen eine klare Sprache in Bezug auf die Einschätzung der Märkte.

Was treibt dieses Wertpotenzial für Embedded Finance an?

  • Lösen echter Probleme: Zum Beispiel bietet Uber seinen Fahrern Prepaid-Karten an, die es ihnen ohne Zugang zu einem traditionellen Bankkonto ermöglichen, sofortige Zahlungen vom Unternehmen ohne hohe Gebühren zu erhalten.
  • Verstärkung der Kundenbindung: Viele Nicht-Banken haben detaillierte Daten über die finanziellen Bedürfnisse und das Verhalten ihrer Kunden, sogar noch mehr mit dem erweiterten Zugang zu Daten durch Open Banking und PSD2. Mit den richtigen Erkenntnissen sind sie in vielen Fällen in der Lage, bessere Empfehlungen zu Finanzprodukten zu geben als ihre Banken und daher viel wahrscheinlicher erfolgreich zu sein beim Up-Sell/Cross-Sell am Point of Need.
  • Eröffnung neuer Einnahmequellen: Es ermöglicht Unternehmen, ihr Wertangebot recht schnell in neue profitable Bereiche zu erweitern. Square beispielsweise begann als Zahlungsabwickler, entwickelte sich aber bald zu einem Point-of-Sale-Unternehmen, einem Customer Relationship Manager, einem Anbieter von Bestandsmanagementdiensten und einer Cash- und Trading-App im B2C-Umfeld. Durch die Einführung mehrerer Einnahmequellen konnte das Unternehmen wachsen und gedeihen.
  • Verbesserung des Kundenerlebnisses: Indem sie auch Finanzdienstleistungen anbietet, erhalten Unternehmen mehr Einfluss auf das gesamte Kundenerlebnis. Dies eröffnet umfassende Einblicke in Kundenverhalten und -gewohnheiten, die ihnen wiederum dabei helfen, neue Kundenbedürfnisse zu identifizieren und zu bedienen, die derzeit nicht von bestehenden Produkten und Dienstleistungen abgedeckt werden.

Banking-as-a-Service und der Aufstieg von APIs

Technologische Innovationen sind hier die treibende Kraft, aber ein Großteil der Entwicklung wird auch durch die Open-Banking-Regelungen gefördert, die den Zugang zu Kundendaten demokratisiert und es verschiedenen Nicht-Finanzdienstleistern ermöglicht haben, Bankdienstleistungen über APIs in ihre Angebote einzubetten.

Dieser modulare Ansatz ist als „Banking as a Service“ (BaaS) bekannt. Durch die Abstraktion von Bank- und Versicherungsfunktionalität ermöglicht Embedded Finance jeder Marke oder jedem Händler die schnelle und kostengünstige Integration innovativer Finanzdienstleistungen in neue Angebote und Kundenerlebnisse, indem sie sich aus einer Reihe modularer BaaS-Fähigkeiten eine Auswahl zusammenstellen.

Eine Reihe von Nicht-FS-Playern wie Amazon, Apple, Grab, Shopify, Uber und Google haben erfolgreich Zahlungen, Kredite und Versicherungen direkt in ihre eigenen Kundenerlebnisse „eingebettet“.

Dies wiederum schafft auch neue Vertriebsmöglichkeiten für Banken, Versicherer und Kreditgeber und hilft ihnen, neue Kunden zu gewinnen und ihre Geschäftsbilanz auszubauen. Es hat sich gezeigt, dass Banken, die BaaS anbieten, einen bis zu zwei- bis dreifach über dem Markt liegenden Ertrag auf das Eigenkapital (RoE) erzielen.

Das BaaS-Rennen hat begonnen, und die großen Banken sind bereits dabei. BBVA, Railsbank und Goldman Sachs sind einige der prominentesten BaaS-Beispiele der letzten Zeit – und die Liste wächst täglich.

Ein weiteres spannendes Beispiel aus jüngster Zeit ist Stripe Treasury. Stripe hat sich mit Goldman Sachs, Citibank, Evolve und Barclays zusammengetan, um den Nutzern der Stripe-Plattform leistungsstarke APIs zur Einbettung von Finanzdienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Sie ermöglichen ihren Kunden damit nicht nur das einfache Senden, Empfangen und Speichern von Geldern, sondern eröffnen ihnen außerdem Zugang zu verzinsten Bankkonten und einen schnelleren Zugang zu Zahlungen. Shopify arbeitet außerdem mit Stripe Treasury zusammen, um Shopify Balance zu entwickeln, das es Händlern ermöglicht, direkt in Shopify Bankkonten zu eröffnen. Shopify-Händler werden ohne separaten Kontoeröffnungsprozess nahtlosen Zugang zu ihren Einnahmen haben, die einfach ausgegeben oder überwiesen werden können.

Die Gefahr für Banken und Versicherungen besteht darin, dass sie in diesem Markt an den Rand gedrängt werden und zu „dumb pipes“ werden, die lediglich Bankinfrastruktur für andere bereitstellen.

Ein klares Verständnis dafür, wie sie in dieses neue vernetzte Plattform-Ökosystem und zu sich verändernden Kundenbedürfnisse passen, ist daher für etablierte Unternehmen von zentraler Bedeutung, damit sie diesen Wandel pro-aktiv anführen und ihren Anspruch in dieser neuen Zukunft anmelden können.

Der Blick in die Zukunft

Die Zukunft der Finanzen ist digital, allgegenwärtig und unsichtbar. Wir bewegen uns schnell auf eine Welt zu, in der Finanzdienstleistungen so sehr in andere Technologien – und damit in unser Leben – eingebettet sein werden, dass der Begriff Bank, Versicherer oder Fintech im Grunde bedeutungslos wird.

Bis 2030 werden Anbieter drei Generationen von digital versierten Verbrauchern ansprechen, die von Finanzdienstleistungen und -produkten dasselbe erwarten wie von jedem anderen Produkt: jederzeit, überall und zu ihren Bedingungen verfügbar.

Damit etablierte Anbieter erfolgreich sein können, müssen sie sich effektiv mit einigen neuen Realitäten auseinandersetzen:

  • Die Reaktion auf die Möglichkeiten von Embedded Finance erfordert Führungsstärke und die Bereitschaft zur Innovation, auch auf die Gefahr hin, bestehende Geschäftsmodelle kurzfristig zu „kannibalisieren“. Die Definition von Erfolg (KPIs, Metriken etc.) muss diese Art von Innovation ebenfalls zulassen und fördern.
  • Außerdem ist eine schnelle und agile Reaktion erforderlich, um neue Angebote zu testen und zu verfeinern, wenn sie mit Herausforderern konkurrieren wollen, die nicht durch veraltete Technologien und Prozesse behindert werden. Dies erfordert eine neue Arbeitsweise und Zusammenarbeit in der gesamten Organisation und könnte auch Partnerschaften mit anderen Akteuren und Anbietern erfordern, um sicherzustellen, dass sie über die für den Erfolg erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen.
  • Kostspielige physische Bankfilialen werden zunehmend verschwinden, aber es gibt auch die Möglichkeit, physische Vertriebskanäle neu zu konzipieren und umzugestalten, um eine effektivere Förderung von Embedded Finance zu ermöglichen (lesen Sie unser Paper über den Wechsel zu phygitalen Vertriebsmodellen, um mehr über dieses Thema zu erfahren).
  • Karten und Bargeld werden endgültig der Vergangenheit angehören, da die Person zur Zahlung wird, und die Banken müssen ihre Rolle bei der Erleichterung von Zahlungen neu definieren.
    • Es gibt viele Beispiele für karten- und bargeldlose Zahlungen über mobile Wallets, QR-Codes usw. Und in einigen Einzelhandelsgeschäften gehört das Bezahlterminal bereits der Vergangenheit an (z.B. Amazon Go). Dies ist und wird zunehmend durch die Einbindung biometrischer Identifikation (Daumenabdruck, Iris-Scan und Gesichts- und Stimmerkennung) vorangetrieben. Wir sehen bereits jetzt, dass Automobilunternehmen mit Zahlungsnetzwerken zusammenarbeiten, um vernetzte Mobilitätserlebnisse zu schaffen. Es wird erwartet, dass vernetzte Fahrzeuge im nächsten Jahrzehnt mit anderen vernetzten Geräten und Point-of-Sale-Systemen kommunizieren und dabei biometrische Sprachtechnologie nutzen, um Zahlungen für Treibstoff, Mautstraßen, Fahrzeugwartung und Parken zu erleichtern. Zahlungen werden im Fahrzeug eingebettet, damit Transaktionen für Schnelligkeit und Komfort automatisiert werden können. Einen aktiven Akt des Bezahlens gibt es dabei nicht mehr. Ob im Auto, beim Bestellen eines Taxis oder beim Verlassen eines Geschäfts: Die Transaktion findet im Hintergrund statt.

Für Fintechs und andere Nicht-FS-Anbieter liegen einige der größten Herausforderungen in den Bereichen Leistungsfähigkeit, Rentabilität und Skalierung:

  • Komplexität bleibt bestehen: Embedded Finance eliminiert die Komplexität von FS nicht weg, sondern verbirgt sie nur für den Endkunden. Um neue Finanzangebote sicher, skalierbar und profitabel auf den Markt zu bringen, sind die richtigen Investitionen in FS-Fähigkeiten, -Kompetenzen und -Partnerschaften erforderlich.
  • Finanzierungen werden zurückgehen: Fintech-getriebenes Wachstum und Innovationen werden weiter zunehmen, aber es wird weniger breit gefächerte VC-Finanzierungen geben, da ein größerer Fokus auf Rentabilität und Skalierung erwartet wird. In einer Umfrage unter Fintech-Führungskräften stimmt die Mehrheit der Aussage zu, dass Investoren künftig Wirtschaftlichkeit gegenüber „Moonshots“ bevorzugen werden.
  • Es gibt einen Trend zum Unbundling, wobei sich Fintechs auf die Differenzierung in relativ engen Leistungsangeboten konzentrieren. Dieser Fokus ist beim Markteintritt von neuen Playern nicht weiter überraschend. Mit der wachsenden Reife und dem Ausbau von Wachstumsoptionen wird wiederum eine Verschiebung hin zu einem erneuten Bundling und einer vertikalen und horizontalen Ausweitung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu beobachten sein.. Partnerschaften mit etablierten Banken, Versicherern und anderen Big-Tech-Anbietern werden daher immer wichtiger werden.
  • Tech-Innovationen wie Blockchain werden neben anderen, bisher als „Buzzword“ bezeichneten Technologien wie IOT, KI, VR und Big-Data-Analytik eingesetzt werden, um mit der Lösung echter Geschäftsprobleme zu beginnen, insbesondere im Bereich Embedded Finance.
  • Big Tech wird eine stärkere Rolle bei der Beschleunigung dieses Trends spielen, was zum Teil durch ihre Größe und ihren Kundenbestand bedingt ist. Ein Beispiel ist die jüngste Partnerschaft von Google mit 11 Banken, um 2021 eine neue Art von Bankkonto einzuführen. Diese „Mobile-first“-Bankkonten namens Plex werden keine monatlichen Gebühren, Überziehungsgebühren oder Mindestguthaben haben. Die Banken werden Eigentümer der Konten sein, aber die Google Pay-App wird der Hauptkanal für die Verwaltung dieser Konten sein.

Um diesen Wandel zu fördern und zu kontrollieren, müssen auch die Regularien immer flexibler werden:

  • Da Zahlungswerte kleiner werden (also minimale kartenlose Zahlungen ohne prohibitive Transaktionskosten), die Volumina in die Höhe schießen und sich zunehmend über Grenzen hinweg bewegen, wird es branchen- und länderübergreifende Interoperabilität und Standardisierung Im Open Banking haben wir das Versprechen gesehen, das eine neue Zahlungsinfrastruktur für die Branche bereithält. Aber wir haben auch gesehen, dass ein Großteil dieses Versprechens bislang noch nicht eingelöst ist.
  • Die Rolle und Verantwortung von Fintechs und neuen Nicht-Banken muss hier ebenfalls definiert werden: Wer übernimmt Verantwortung in einer neuen digitalen Welt, in der die Kunden ihren Social Media- oder mobilen Anbietern für Finanzdienstleistungen vertrauen?

Eine abschließende Einschätzung: Das eigentliche Versprechen von Embedded Finance liegt in der Verbesserung von Financial Health und finanzieller Inklusion.

  • Kunden lieben ihre Banken nicht von Haus aus, genauso wie es den meisten Kunden schwerfällt, Anbieter von Energie-, Telekommunikations- und anderen Dienstleistungen zu lieben. Vertrauen in Banken spielt in diesem Kontext eine große Rolle, fällt es doch vor allem Millennials zunehmend schwer, dieses in einer von großen Tech-Unternehmen geprägten, digitalen Welt zu etablieren. Finanzielle Dienste sollen jederzeit und überall verfügbar sein, dabei in der Durchführung auch unkompliziert und nutzerfreundlich sein. Wir lieben andere Marken und Benutzererfahrungen, die uns helfen, unseren Alltag zu bewältigen, sei es beim Einkaufen von Lebensmitteln, bei der Planung eines Urlaubs, beim Mieten eines Autos, beim Online-Shopping usw. Wenn nun auch finanzielle Anforderungen im gleichen Ausmaß erfüllbar wären, würden wir davon profitieren. Neue Nicht-Financial-Services- und Challenger-Unternehmen wissen in der Regel mehr über uns und können uns dabei helfen, bessere finanzielle Entscheidungen zu treffen, um unser finanzielles Wohlbefinden zu steuern, wozu Banken aufgrund ihres zugrundeliegenden Gewinnmotivs nicht in der Lage sind. (Schauen Sie sich unbedingt unser Paper über Financial Health an, um eine umfassendere Perspektive zu erhalten)
  • Embedded Finance ermöglicht auch die finanzielle Einbeziehung von Menschen, die kein traditionelles Bankkonto und kein Kreditrating haben.
    • Asien liefert hier ein gutes Beispiel: Da es in vielen Unternehmen keine Kartenzahlungssysteme gibt und viele Menschen bis vor kurzem keine Bankverbindung hatten, haben Internetunternehmen in Asien das Bankensystem komplett umgangen und sind direkt vom Bargeld auf ihre eigenen digitalen Finanzlösungen umgestiegen. Chinas Alipay ist ein gutes Beispiel dafür:
      • Alipay ist die allgegenwärtige mobile und Online-Zahlungsplattform des Amazon-Konkurrenten Alibaba. Heute nutzen Menschen in ganz China diese Plattform, um alles zu bezahlen, von der Bahnfahrt bis hin zu Einzelhandelsprodukten, online oder offline. Die Plattform verzeichnete im vergangenen Jahr 15 Billionen Dollar an Transaktionen, und die Muttergesellschaft Ant strebte einen Börsengang von über 200 Milliarden Dollar an, bevor sie im vergangenen Jahr von den Regulierungsbehörden gestoppt wurde.

Möglichkeiten zur Veränderung und ihre weitreichenden Potenziale sind also ganz eindeutig gegeben, sowohl für etablierte Unternehmen, Fintechs als auch für Nicht-FS-Marken. Sie erfordern eine adaptierte Einstellung und Herangehensweise, sind aber zweifelsohne die Mühe wert und zudem unvermeidlich. Wenn man sie nicht als Chance ergreift, wird sie einen als Bedrohung heimsuchen.

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