User Experience Design? Nicht ohne Personae! [Infografik]

14. Mai 2014 Agnieszka M. Walorska (@agaw)

Eine Persona ist eine realistische Darstellung eines Charakters, der einen Teil der Zielgruppe eines Produktes repräsentiert. Sie fasst alle Ergebnisse von Nutzerstudien und -recherchen zusammen, flößt ihnen Leben ein und erschafft somit eine Person, in die sich die Produktverantwortlichen leicht hineinversetzen können, um Entscheidungen zu treffen. Personae werden z.B. im Marketing, der Entwicklung von Software oder Webanwendungen eingesetzt, um Entscheidungen user-centered zu treffen und konkrete User-Stories abzuleiten. Sie sind ein essenzieller Bestandteil eines nutzerzentrierten User-Experience-Designs.

Welche Bestandteile muss eine Persona enthalten?

Einige Punkte sollte eine Persona auf jeden Fall mitbringen, damit es den Produktverantwortlichen möglich ist, sich in ihre Situation hineinzufühlen und mit ihrer Hilfe die richtigen Produktentscheidungen zu treffen.

  1. Ein Foto, welches das Verhalten des Nutzers möglichst authentisch einfängt, ggf. auch ein Foto von der Umgebung des Nutzers, welches hilft sich in die Situation reinzudenken.
  2. Ein angemessener Name, der die Persona vermenschlicht und den Produktverantwortlichen die Kommunikation über diverse Personae erleichtert (“Die Idee funktioniert bei Maria, bei Hans nicht“).
  3. Soziodemografische Daten, die der Persona eine Form geben. Ist sie männlich oder weiblich? Alt oder jung? So ist es leichter ein Gespür für ihre Situation zu entwickeln.
  4. Motivation und Ziele zur Nutzung des Produkts. Wenn deutlich wird, was Nutzer erreichen wollen, ist es viel einfacher ein angemessenes Produkt zu entwickeln.
  5. Frustrationspunkte um zu erfahren, welche Situationen vermieden werden sollten, sodass der Nutzer sich im Umgang mit dem Produkt zurechtfindet.
  6. Mediennutzung, um die Erfahrungen der Nutzergruppe bezüglich der für das Produkt wichtigen Medien einschätzen zu können.
  7. ggfs. Zitat, das die Haltung des Nutzers widerspiegelt, allgemein oder auf das Produkt bezogen. Das haucht der Persona Leben ein und resümiert ihren aktuellen Gemütszustand.

Infografik: Was ist eine Persona?

Merkmale einer gelungenen Persona

Die richtigen Bestandteile alleine reichen allerdings noch nicht aus, um eine gelungene Persona zu garantieren. Folgende Merkmale sind außerdem entscheidend:

  • Spezifisch: Bezogen auf den Nutzerkontext der Anwendung, ohne allgemeine oder irrelevante Aussagen über Einstellungen und Verhaltensweisen. Für die Entwicklung einer Makler-Website ist es beispielsweise nicht wichtig, ob sich eine Person ausschließlich vegetarisch ernährt oder gerne Kreuzworträtzel löst. Es ist allerdings wichtig zu wissen, ob sie Haustiere hat, Wert auf einen Garten legt oder wie hoch ihr Einkommen ist.
  • Glaubwürdig: Es ist wichtig, dass die Eigenschaften und Verhaltensweisen der Personae einerseits an Personen aus der Zielgruppe erkennbar sind, andererseits jedoch nicht zu klischeehaft bestimmte Kombinationen annehmen. Werden sie diesen Anforderungen nicht gerecht, erscheinen sie unrealistisch und aufgesetzt und verhindern das Einfühlen der Produktverantwortlichen in die Situation der Nutzergruppe.
  • Datenbasiert: Je umfangreicher und hochwertiger die Nutzerstudien und -recherchen sind, desto eher repräsentiert eine Persona die tatsächliche Nutzergruppe und hilft den Produktverantwortlichen, adäquate Entscheidungen zu treffen.
  • Persönlichkeitsbetonend: Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Einblick in die Persönlichkeit einer Person. Es ist nicht ausreichend zu wissen, wie alt ein Nutzer ist, wie viel Geld er monatlich verdient oder ob er eine Partnerin und Kinder hat. Um vorherzusagen, wie sich jemand verhält, ist es essentiell zu wissen, wie sein Wesen ist und was ihn als Menschen ausmacht. Ist er misstrauisch? Ist er geduldig? Was gibt ihm Anlass, sich wohl zu fühlen? Bei der Personaerstellung spielen nicht nur die Inhalte, sondern auch eine entsprechende Darstellung eine große Rolle. Die präsentierte Information muss selbsterklärend und für jeden schnell verständlich sein. Sie sollte dementsprechend auf maximal einer Seite strukturiert dargestellt werden. Grafiken können zusätzlich genutzt werden, um größere Mengen an Informationen so darzustellen, dass niemand von der Informationsdichte erschlagen wird.

In den meisten Fällen werden mehrere Personae erstellt (Persona-Set), sodass die gesamte Zielgruppe abgedeckt werden kann. Nicht alle Personae haben jedoch den gleichen Einfluss auf die Produktentwicklung, da sie unterschiedliche Teile der Zielgruppe repräsentieren. Grundsätzlich werden die Personae höher priorisiert, die den größten oder umsatzstärksten Anteil der Zielgruppe ausmachen oder eine spezifische Nische repräsentieren, die man adressieren möchte.

Welche Methoden werden bei der Persona-Erstellung angewendet?

Nutzerstudien oder –recherchen sind der Schlüssel zur Erstellung einer hilfreichen Persona. Der erste Schritt besteht dabei im Bilden von Hypothesen.

  • Hypothesen: Was könnten die Hauptziele der Nutzer sein? Und wie sieht der Nutzungskontext aus? Diese Einschätzungen können auf Informationen basieren, die bereits vorhanden sind, egal wie gering sie zu sein scheinen. Bezogen auf einen Mutter-Kind-Versandhandel wären mögliche Hypothesen beispielsweise: „Eine junge Mutter versucht alles zu kaufen, was sie benötigt, um ihr Erstgeborenes zu versorgen“ oder „Eine Nachbarin sucht ein Geschenk für eine werdende Mutter“. Bestehen diese Hypothesen einmal, können Nutzerstudien und -recherchen stattfinden und sie bestätigen oder widerlegen.
  • Call Center Auswertungen: Wenn ein Call Center existiert, das die potentielle Nutzergruppe des zu entwickelnden Produktes (Bsp. junge Mütter) abdeckt, sollten zunächst dessen Informationen ausgewertet werden. Anrufer sind hier meistens unzufrieden, haben Probleme mit dem Produkt und möchten in Erfahrung bringen, wie etwas funktioniert. Durch dieses Feedback ist es möglich, einen Eindruck über die Bedürfnisse, Probleme und Frustrationen der potentiellen Nutzer in Erfahrung zu bringen. Um jedoch tiefgreifende Informationen zu erhalten, sollten zusätzlich Nutzerinterviews durchgeführt werden.
  • Nutzerinterviews: Hierbei wird eine kleine Gruppe der potentiellen Nutzergruppe Face-to-Face, am Telefon oder während einer Telefon-Konferenz nach ihren Einstellungen, Wünschen oder Erfahrungen befragt, um ein besseres Verständnis von der Nutzergruppe zu erhalten. Die Idee dabei ist, dass Nutzer über ihre bisherigen Erfahrungen sprechen, besonders in Bezug auf ihren Versuch, Ziele zu erreichen, die für die Produktentwicklung relevant sind. Welche Informationen brauchten sie in dieser Situation? Mit welchen Aufgaben wurden sie konfrontiert? Welche Probleme sind ihnen begegnet? Welche Medien nutzten sie, um ihre Ziele zu erreichen? Fragt man jedoch jemanden, wie er sich in bestimmten Situationen verhält, kann die Antwort enorm von seinen eigentlichen Reaktionen abweichen. Menschen sagen die Unwahrheit, weil sie nicht dumm wirken, sondern ihrem Gegenüber gefallen wollen. Meistens sind sie sich ihres „wahren“ Verhaltens jedoch einfach nicht bewusst und können es deshalb auch nicht in ihren Antworten widerspiegeln. Deswegen können zu guter Letzt ethnografische Untersuchungen durchgeführt werden, um die bisherigen Informationen über die Nutzergruppe zu validieren und zu verfeinern.
  • Ethnografische Untersuchungen: Hierbei wird das Verhalten potentieller Nutzer beobachtet. Für den Mutter-Kind-Versandhandel wäre es beispielsweise möglich, in einem der Konzeptläden die Kunden zu beobachten, zu sehen, was sie einkaufen oder welche Fragen und Probleme sie gegenüber dem Personal äußern. Dieses Vorgehen kann dabei helfen die Informationen aus Nutzerinterviews zu untermauern und den Entscheidungsprozess des Kunden besser nachzuvollziehen.

Warum Personae für den UX-Prozess besonders wichtig sind

Wie bereits erwähnt sind Personae ein wichtiges Mittel, um die Gestaltung eines Produkts an den Zielgruppenbedürfnissen auszurichten. Sie werden erstellt, um während des Entwicklungsprozesses bei Fragestellungen und Produktentscheidungen die Nutzerperspektive zu gewährleisten. Sie ermöglichen es den Produktverantwortlichen, von ihrer Ich-Perspektive Abstand zu nehmen und von der ursprünglichen Fragestellung „Wie hätte ich gerne dies oder jenes?“ zur Frage zu gelangen, die für den UX-Prozess tatsächlich relevant ist: „Wie löse ich das Problem der Persona X?“.

Embed This Image On Your Site (copy code below):

#####

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Sie haben ambitionierte Pläne und benötigen Unterstützung? Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören!

Kontakt aufnehmen

Ähnliche Artikel

CES 2018 – Mercedes-Benz stellt intelligentes Infotainmentsystem MBUX vor

Heute geht in Las Vegas die größte Consumer-Electronics-Messe CES zu Ende. Von Wearables über Fernseher, Voice Assistents bis Prozessoren versuchen sich alle Hersteller von Rang und Namen stets um die Aufmerksamkeit der Besucher und Weltöffentlichkeit zu überbieten. Dieses Jahr haben Autos allen anderen Kategorien die Show gestohlen. Mit Begeisterung wurde das neue Infotainmentsystem namens “MBUX” (Mercedes […]

vimedi: Einnahme von Medikamenten einfach sicher

Allein in den USA kommen jedes Jahr 130.000 Menschen ums Leben, weil sie sich nicht an die vorgeschriebene Einnahme von Medikamenten gehalten haben. Abgesehen von diesem traumatischen Erlebnis für so viele Familien, belastet die falsche Einnahme von Medikamenten das Gesundheitssystem mit USD 290 Milliarden pro Jahr. Die Komplexität der korrekten Einnahme von Medikamenten liegt auf der […]

Bots noch im Anfangsstadium

Tech-Landschaft im Umbruch durch Abo-Modell und Bots

Für 2017 und die nächsten Jahre zeichnen sich grundlegende Veränderungen in der Tech- und Medienlandschaft ab, die sowohl die Landschaft im Ganzen neu strukturieren, als auch die Machtverhältnisse in den einzelnen Segmenten beeinflussen werden. Verschiebungen in der Medienlandschaft: Gaming und Messaging wachsen am stärksten Der Konsum von Medien wird in den nächsten Jahren insgesamt ansteigen; das größte […]

Alle Artikel