Von Social Media zu Messengern: Exodus der Jungen

10. Februar 2016 Agnieszka M. Walorska (@agaw)

Die Abwanderung der Jungen, sobald sich auch Eltern und Großeltern auf einer Plattform tummeln, ist kein neues Phänomen. Bereits 2014 lagen Zahlen vor, die diesen Exodus von Facebook dokumentierten: 11 Millionen junger Nutzer hatten Facebook seit 2011 verlassen.

Facebook verliert junge Nutzer

Junge Nutzer verlassen Facebook (Quelle: TIME)

Privates Textmessaging statt Social-Broadcasting

Während dies zunächst als Plattform-Phänomen gesehen wurde, das nichts mit einer grundlegenderen Social-Media-Müdigkeit zu tun zu haben schien, dokumentieren aktuelle Analysen einen anderen Trend: Laut einer Studie des Pew Research Center besitzen zwar 82 Prozent der 18- bis 29-Jährigen in den USA ein Facebook-Konto und 80 Prozent nutzen es täglich, doch scheint sich diese Nutzung vermehrt von einem Posten von Inhalten zu einer passiven Informationsaufnahme zu wandeln. Statt Alltags-Updates spontan im gesamten Netzwerk zu broadcasten, kommunizieren sie diese Informationen lieber im Messenger an Einzelpersonen.

Mehrere Gründe können als hier Erklärung herangezogen werden:

  • Neue demographische Verteilung auf Facebook: Die Nutzergruppe von Facebook altert zunehmend. Laut dem Pew Research Center wird Facebook bereits von 48 Prozent der US-Internetnutzer über 65 Jahren genutzt. Teenager und Studenten, die ehemals Facebooks primäre Zielgruppe darstellten, überlegen es sich daher zweimal, ob sie ihre Party-Fotos mit ihren Eltern oder Großeltern teilen.
  • Strategische Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken: Personaler, Arbeitgeber oder auch Vermieter nutzen Facebook immer öfter, um die Aktivitäten von Angestellten oder Bewerbern zu überprüfen.
  • Generelle Privacy-Sensibilisierung: Mittlerweile ist die jüngere Altersgruppe stärker für die dauerhafte Speicherung ihrer Inhalte sensibilisiert. Bereits 41 Prozent der Smartphone-Besitzer zwischen 18 und 29 Jahren nutzen daher Messaging-Apps wie Snapchat, um versendete Nachrichten automatisch zu löschen.

Andere soziale Netzwerke wie Twitter, LinkedIn oder Pinterest liegen in der Nutzungshäufigkeit bereits hinter Messenger-Applikationen wie Snapchat oder WhatsApp, die zunehmend an Bedeutung für die persönliche Kommunikation gewinnen. Allein WhatsApp hat jüngst die Schwelle von einer Milliarden Nutzer erreicht und übertrumpft mit täglich 30 Milliarden vesendeter Textnachrichten das globale SMS-Volumen um 50 Prozent.

Paradigmenwechsel: Vom App-Zentrismus zu Conversational Commerce

Aufgrund der Limitierungen, die Apps angesichts ihrer grafischen Oberfläche und ihres engen Fokus notwendigerweise in Kauf nehmen müssen, setzen Unternehmen verstärkt auf den Messaging-Trend (siehe Trend 2016: Messaging als Plattform). Uber, KLM Airline oder Hyatt folgen so dem Trend, den WeChat in China bereits erfolgreich etabliert hat, und verlagern ihre Dienste und die Kundenkommunikation zunehmend in chatbasierte Umgebungen.

Message-Interface Magic

Conversational Commerce: Integration von Dienstleistungen im Messenger (Quelle: Magic)

Messenger eignen sich nicht zuletzt deshalb als kommerzielle Kanäle, weil eine Interaktion in Form von Textmessaging eher dem menschlichen Kommunikationsverhalten entspricht und eine persönlichere User-Adressierung innerhalb einer Gesprächssituation ermöglicht, als grafische Benutzeroberflächen. Über die Integration von Diensten in einem Messenger machen sie zudem die Notwendigkeit hinfällig, dass Nutzer für jeden Service eine spezielle App installieren müssen. Diese können künftig direkt aus dem Messenger angesteuert werden, der damit zu einer neuen Plattform vorbei an den gewohnten App-Stores der Apple- und Google-Welt wird. Ohnehin gebrauchen Nutzer zu 80 Prozent gerade einmal drei der 27 Apps, die sie im Mittel auf ihrem Smartphone installiert haben.

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in unserer Trendstudie 2016: Messaging as Plattform.

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