Was kommt nach Mobile? Anzeichen einer neuen Ära im Informationszeitalter

8. März 2016 Agnieszka M. Walorska (@agaw)

Spätestens seit die Anzahl der mobilen Suchanfragen weltweit die Desktop-basierten Suchanfragen überholt hat und beim letzten Super-Bowl bereits 82 Prozent der Suchanfragen nach den Werbetreibenden mobil erfolgten, ist die Ablösung der PC-Ära durch mobile Geräte nicht mehr zu verleugnen.

Derartige technologische Umbrüche vollziehen sich jedoch durchaus mit einer gewissen Regelmäßigkeit. So stellt Chris Dixon fest, dass alle 10 bis 15 Jahre eine Innovation eine gänzlich neue Ära anstößt und die IT-Produktlandschaft von Grund auf neu definiert. Da seit dem Launch des iPhones 2007 nun auch bereits fast 10 Jahre vergangen sind, könnte eine solche Umwälzung bald erneut anstehen. Welche Trends zeichnen sich ab und wodurch könnte diese bestimmt sein?

Zur Identifikation von Indikatoren hilft es sich vor Augen zu führen, in welchen Phasen eine neue Ära jeweils verläuft. Diese gliedert sich in zwei Phasen:

  • Aufbau-Phase: Eine neue Plattform ist zunächst teuer, unvollständig und schwer zu bedienen.
  • Wachstums-Phase: Ein Produkt wird eingeführt, das diese Probleme löst und ein exponentielles Wachstum auslöst.

Fest scheint zu stehen, dass Artificial Intelligence und Virtual Reality aussichtsreiche Kandidaten sind, eine ganz neue Ära zu definieren. Aber der Reihe nach:

In der Geschichte der Informationstechnologie lassen sich grob drei grundlegende Umwälzungen identifizieren: Die PC-Ära, die 1981 mit dem IBM PC einsetzte und Mainframes ablöste, die Internet-Ära, die der Mosaic Browser 1993 eingeläutet hat, und die Mobile-Ära, deren Beginn gemeinhin auf die Veröffentlichung des iPhone 2007 datiert wird.

Computing-Phasen

Phasen des IT-Zeitalters: Vom PC über das Internet hin zu Mobiles (Bild: Medium)

Jede dieser Innovationen eröffnete einen eigenen Raum von Applikationen und technischen Möglichkeiten und markierte damit eine neue Ära der Informationstechnologie:

  • Der PC hat Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Bildbearbeitung und andere Desktop-Applikationen ermöglicht.
  • Der Browser hat den Grundstein für Suchmaschinen, Online-Shops, soziale Netzwerke und On-Demand-Medien gelegt.
  • Das Smartphone hat mit seinem geringen Formfaktor, GPS und einer Datenverbindung eine Welle von ortsunabhängigen aber zugleich standortbezogenen Anwendungen, wie Car-Sharing-Applikationen, Navigation und Recommendation-Apps angestoßen. Gleichzeitig ist das Smartphone durch Messenger, soziale Netzwerke und Medien-Apps zum universellen Alltags-Device avanciert.

Mobile stellt Weichen für weitere Technologiesprünge

Darüber hinaus schafft die Mobile-Entwicklung die Grundlage für einen weiteren Umbruch in der Informationstechnologie, der über die bisherigen Apps und Smartphone-Anwendungsfälle hinausgeht. Leistungsstarke Hardware-Komponenten, die immer günstiger und platzsparender produziert werden können, haben das exponentielle Wachstum des Smartphone-Markts überhaupt erst ermöglicht und kommen nun zunehmend auch in anderen Bereichen zum Einsatz. In Verbindung mit der fortschreitenden Software-Entwicklung insbesondere auf dem Feld der künstlichen Intelligenz (Trend 2016: The AI-Revolution) werden Innovationen ermöglicht, die radikale Transformationsprozesse in allen Branchen und Lebensbereichen anstoßen.

Internet der Dinge

Die günstige Smartphone-Hardware führt zu einem Boom des Internet der Dinge. Zuvor „analoge“ Geräte wie Kaffeemaschinen, Kühlschränke, Waschmaschinen, Heizungsthermostate etc. werden vermehrt mit Prozessoren, Sensoren und einer Internetverbindung ausgestattet und miteinander vernetzt. Dadurch lassen sich automatisierte und personalisierbare Geräte-Interaktionen schaffen, deren Synergien neuartige Konzepte u.a. von Wohnen (Smart Home), Urbanität (Smart City) und Landwirtschaft (Smart Farming) möglich machen (Trend 2015: Pro-active Experiences).

RWE-Smarthome

Smart Home Konzept von RWE (Bild: Topfair)

Self-Driving Cars

Eine Reihe von großen Tech-Playern wie Uber, Apple, Google oder Tesla liefern sich derzeit einen Wettlauf in der Entwicklung von selbstfahrende Autos. Bereits jetzt sind halbautonome Fahrzeuge erhältlich und die US-Verkehrsbehörde hat jüngst mit der Anerkennung von künstlicher Intelligenz als rechtlich zulässigen Autofahrer einen wichtigen Schritt zur Verwirklichung von vollautonomen Autos gemacht. Damit rückt ein unfall- und staufreier Straßenverkehr in greifbare Nähe.

Self-Driving Car

Self-Driving Car Prototyp von Google (Bild: engadget)

Drohnen

Vollautomatische Drohnen, die von künstlicher Intelligenz gesteuert werden, stellen Revolutionen unter anderem in der Auslieferung von Paketen/Sendungen, Landwirtschaft, Wettervorhersage und der Früherkennung von Naturkatastrophen in Aussicht.

Defibrillator-Drohne

Defibrillator-Drohne (Bild: Dailymail)

Wearables

Durch am und im Körper tragbare Minicomputer wird das Tracking von Körperdaten in einer neuen Dimension möglich, wodurch sich neue Anwendungen und Geschäftsmodelle im Medizin-, Fitness- und Versicherungsbereich (Trend 2015: Quantified-Self/Wearables) ergeben.

Fitnesstracker für Babies

Fitnesstracker für Babies misst Körpertemperatur, Pulsfrequenz, Bewegung sowie äußere Faktoren wie Umgebungstemperatur oder Licht (Bild: The Push)

Augmented Reality

Wearables geben auch der Augmented Reality-Entwicklung neuen Aufschwung. Lange Zeit waren Smartphones oder Tablets für Augmented Reality-Anwendungen nötig. So hat Ikea beispielsweise vor einigen Jahren ein Augmented-Reality-Feature in seinen Produktkatalog eingebaut, mit dem das Möbelangebot via Tablet/Smartphone in der eigenen Wohnumgebung eingeblendet werden kann. Wearables, wie etwa Google Glass oder smarte Kontaktlinsen, erlauben dagegen eine unmittelbarere Anreicherung der visuell wahrgenommenen Welt mit kontextbezogenen Informationen. Durch die direkte Überlagerung von Online und Offline (Trend 2015: Blurring of Online/Offline) bieten sie damit eine Vielzahl von interessanten Anwendungen im Bereich der Medizin oder im Tourismus.

IKEA: Augmented Reality-Feature

Augmented Reality-Feature im IKEA-Katalog (Bild: Computerbild)

Virtual Reality

Die rasante Entwicklung von Virtual Reality eröffnet nicht nur naheliegende Anwendungsfälle im Bereich, Gaming, Entertainment, Retail und Travel. Darüber hinaus bietet Virtual Reality auch neue immersive Möglichkeiten, um Berichterstattung und Nachrichten direkter erfahrbar zu machen (Trend 2015: Pro-active Experiences).

In der Summe dieser Technologien sind grundlegende Entwicklungen erkennbar, die wir in unseren Trends 2015 und  Trends 2016 zusammengefasst haben.

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